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University 1401

Date post: 12-Oct-2015
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Author: muellersenior3016
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    magazinDie Zeitschrift der Universitt

    Nummer 1, 23. Jahrgang, Febru

    Fantastisces Weltall Der Bli in die Sterne begelt unsere Vorstellungskra Seite 10Gezeicnete Gescicte Kinderzeinungen zeigen den Sweizer Alltag Seite 13

    Gefeierte Arcitektur Das Hauptgebude der Universitt wird hundertjhrig Seite 54

    IntelligenzWas uns slau mat ab Seite 24

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    Seit hundert Jahren thront es ber derStadt: das Hauptgebude der Uni-versitt Zri, von 1911 bis 1914erbaut na den Plnen von Karl

    Moser. Gekrnt wird das Haus vom 65 Meterhohen Turm dem ersten Hohaus Zris:Ein wutiger Zaen, der das Gebiss derAltstadt zusammenfasst und mit dem Alpen-panorama korrespondiert, besreibt derKunsthistoriker und Moser-Experte Stanislausvon Moos den Bau.

    Der aritektonise Wert von MosersSlsselwerk ist in der Aritekturgesite

    nit unumstrien, fr die tonangebendenVertreter des nternen Neuen Bauens etwawar Mosers Spiel mit versiedenen Stilenskandals. Im Interview wirbt von Moos freine andere Sitweise. Er bezeinet denLithof des Universittsgebudes als einenTriumph der Aritektur. Die UniversittZri war Mosers Hauptwerk. In diesemFrhjahr feiert die UZH das 100-Jahre-Jubilumihres Hauptgebudes und wrdigt Karl MosersWerk mit einem Festakt, einer Ausstellung,Rundgngen, Vortrgen und Konzerten.

    Uraufgefhrt wird unter anderem ein Orwerk, das fr das Jubilum komponiert wu

    Intelligenz. Was uns slau mat heidas Dossier in diesem He. Wir gehen denFragen na, was uns intelligent mat undwie wir unsere Intelligenz positiv beeinuknnen. Voraussetzung fr unsere aussergwhnlie Intelligenz im Verglei zu Tiernit nur unser grosses Hirn, sondern auunser Krperbau, etwa die menslie HaHen wir keine Hnde, hen wir vermau keine Sprae, sagt Knstlie-Intellgenz-Forser Rolf Pfeifer. Unser grosses Hverdanken wir unserem Sozialverhalten die Mensen ihre Jungen gemeinsam auf-ziehen und so die Mer entlasten, die desgleizeitig mehrere Junge haben knnen: kostet Mer enorm viel Zeit und Energie,grosshirnige Kinder aufzuziehen, weil derEntwilung so lange dauert, betont dieAnthropologin Karin Isler, die si mit denUrsprngen unserer Intelligenz besig

    Ein weiterer Aspekt, der die Mensen vintelligenten Tieren unterseidet, ist ihreFhigkeit, dur Naahmen zu lernen. DeEntwilungspsyologe Moritz Daumerforst, wie Kleinkinder dur das Imitivon Vorbildern lernen. Das Lernen durImitation ist so erfolgrei, dass heute verswird, Robotern auf diese Weise intelligenteVerhalten beizubringen.

    Die Gene bestimmen, mit weler Grunintelligenz wir ausgestaet sind. Do dieUmwelt entseidet, ob wir unser Potenziaausspfen knnen. Wele Rolle dabei dSule spielt und ob Hirnjogging uns slamat, erfahren Sie in diesem Dossier.

    Wir wnsen Ihnen eine intelligente Lektrmagazin-Redaktion Thomas Gull und Roger

    EDITORIAL

    HerausgeberinUniversittsleitung der Universitt Zrich durch dieAbteilung Kommunikation

    Leiter PublishingDavid Werner, [email protected]

    Verantwortliche RedaktionThomas Gull, [email protected] Nickl, [email protected]

    Autorinnen und AutorenDr. Thomas Buomberger, [email protected]

    Theo von Dniken, [email protected]

    Marita Fuchs, [email protected] Ganz, [email protected] Hildegard Elisabeth Keller, [email protected]

    Prof. Georg Kohler, [email protected] Lanfranconi, [email protected] Minder, [email protected] Rauch, [email protected] Renner, [email protected] Ryser, [email protected] Tanja Wirz, [email protected]

    Dr. Felix Wrsten, [email protected] Zemp, [email protected]

    Fotografinnen und FotografenRobert Huber, [email protected] Latzel, [email protected] Meisser, [email protected] Tobler (Illustration), [email protected] Walter, [email protected]

    Gestaltung/DTPHinderSchlatterFeuz, Zrich ww w.hinderschlatterfeuz.ch

    Korrektorat, Druck und LithosBruhin AG, druck/media, Pfarrmatte 6, 8807 Freienbach

    AdresseUniversitt Zrich, Kommunikation, Redaktion magazinSeilergraben 49, 8001 ZrichSekretariat: Steve Frei

    Tel. 044 634 44 30 Fax 04 4 634 42 [email protected]

    Inserateprint-ad kretz gmbh, Tramstrasse 11, 8708 MnnedorfTelefon 044 924 20 70 Fax 044 924 20 [email protected]

    Auflage21 000 Exemplare. Erscheint viermal jhrlich

    AbonnentenDas magazin kann kostenlos abonniert werden:[email protected]

    ISSN 2235-2805Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck von Artikelnmit Genehmigung der Redaktion

    IMPRESSUM

    Website: www.kommunikation.uzh.ch/magazin Titelbild:Patric Sandri Bild oben:Marc Latzel

    Dieses Produkt wurde klimaneutral produziert.

    Wuctiger Zaen und

    mensclice Intelligenz

    Beeindruckt von Karl Mosers Bau: Stanislaus von Moos.

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    HEUREKA

    Bndner SaurierSeite 6

    PHILOSOPHIE DES ALLTAGS

    Das Kind im FlussSeite 7

    BUCH FRS LEBEN

    Die Strudlhofstiege Seite 8

    KUNSTSTCK

    Chinesisce WasserzeicenSeite 9

    RCKSPIEGEL

    Fundraising mit BlumenSeite 9

    DOSSIER

    IntelligenzWas uns slau mat

    Menscen und AenWeil wir teilen knnen, sind wir klger aAen. Von Miael T. GanzSeite 25

    Kein Geist ohne KrperUnsere Intelligenz ist eine Folge unserer mie. Von Thomas Gull und Roger Nil S

    Das Hirn auf Trab bringenDoping fr den Kopf ist verbreitet, bringtwenig. Von Felix WrstenSeite 35

    Kluger KopfIntelligenz ist angeboren, do was darau

    bestimmt die Umwelt. Von Roger Nil S

    FORSCHUNG

    Ausserirdisce unter unsDer Germanist Philipp Theisohn erforstWeltraumfantasien. Von Claudio ZempSeite 10

    Die Welt zeicnenKinderzeinungen spiegeln auf sillerndeArt die Gesite. Von Simona Ryser Seite 13

    Angst um den JobUnsiere Arbeitspltze vergien das Betriebs-klima. Von Thomas Buomberger Seite 16

    Mangos sta HirseDie konomisierung verndert das Leben derMensen weltweit. Von Felix Wrsten Seite 18

    Gesund dank VirenVirologen knnen Autoimmunerkrankungenheilen. Von Theo von Dniken Seite 22

    INHALT Nummer 1, Februar 2014

    Illustration:Patric Sandri Bilder:Eliseo Miciu/Keystone/zvg

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    Jogging fr graue ZellenDas Training des Arbeitsgedtnisses matuns klger. Von Andreas MinderSeite 41

    Clever lernenIntelligenz allein reit nit, um in der SuleErfolg zu haben. Von Thomas Gull Seite 43

    Papa imitierenKleine Kinder lernen am besten, wenn sie Vor-

    bildern naeifern. Von Katja Rau Seite 48

    ESSAY

    Alfonsina Stornis NaseWie eine Tessinerin in Argentinien berhmtwurde. Von Hildegard Elisabeth Keller Seite 50

    PORTRT

    Die SenkrectstarterinSilja Husermann erforst die Meanismender Mat. Von Paula LanfranconiSeite 52

    INTERVIEW

    Museale AuraStanislaus von Moos ber das Hauptgebudeder Universitt. Von David WernerSeite 54

    BCHER

    Gepriesene StdteHistorise Bilder vermieln Einblie in durbane Leben. Von Tanja WirzSeite 60

    SCHLUSSPUNKT

    Vom sclauen Fucs Seite 62

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    Soisen Nationalmuseum in Edinburgh ent-hllte dann deutlie Untersiede zum 1930erstmals besriebenenMacrocnemus bassaniiausetwa gleialtrigen Siten der mileren Triasam Monte San Giorgio und zur 2007 publiziertenzweiten Art Macrocnemus fuyuanensisaus Sd-ina. Der neue Saurier wurde zu Ehren desFindersMacrocnemus obristibenannt.

    Milc verdauenMil ist das Grundnahrungsmiel fr Suglingeund enthlt den Zuer Laktose. Die meisten Su-getiere verlieren im Verlauf des Wastums dieFhigkeit, Laktose und damit Mil zu ver-dauen. Gelangt Laktose unverdaut in den Di-darm, fhrt dies zu smerzhaen Symptomen.Mindestens fnf versiedene Populationen inEuropa, Saudi-Arabien und Ostafrika haben je-

    do unabhngig voneinander genetisetionen entwielt, die ihnen den Abbau vtose dur das Enzym Laktase au im Esenenalter ermglit (Laktasepersistenz

    Eine Studie des Zentrums fr EvoluMedizin der UZH zeigt nun, dass Mensmielalterlien Dalheim (D) zwisen 91200 n. Chr. bereits eine Laktasepersiste72 Prozent aufwiesen. Sie war vor un1000 Jahren also bereits auf dem Niveau dtigen Zentraleuropa (7180 Prozent). Inteterweise stehen diese Resultate im Gegenfrheren Forsungen an menslienresten aus dem mielalterlien Ungarnzeigten eine Laktasepersistenz von 35 Pverglien mit 61 Prozent im heutigen UDie UZH-Studie belegt damit, dass die Evder Laktasepersistenz nit einem einMuster quer dur Europa folgte. Aussdeutet die Studie darauf hin, dass genLaktasepersistenz in Zentraleuropa vermfrher verbreitet war als in Osteuropa.PLOS ONE, 23. Januar 2014, http://dx.plos.org/10.13

    jour nal.p one.0 08625 1.

    Dopamin fr einen tiefen SclafFast ein Driel unseres Lebens verbringenSlaf. Im Dunkeln liegt na wie vor einmein akzeptierte Antwort auf die Frage, wir slafen und weshalb eine Nat ohnenit bei allen die gleien AuswirkungForsende des Instituts fr PharmakologToxikologie und des Instituts fr MedizMolekulargenetik der Universitt Zri knun erstmals naweisen, dass der Neurmier Dopamin an der Slaf-Wa-Regdes Mensen mitwirkt und eine VarianDopamin-Transporter-Gens (DAT) beimsiedlien Slafverhalten eine witispielt.

    Dieses DAT-Gen liegt beim Mensensiedenen Varianten vor und codiert ddung des DAT-Proteins. Dieses Protein binDopamin und beendet dadur in RegionGehirns, die fr die Slaf-Wa-Reguwitig sind, die Signalbertragung zwden Nervenzellen dur das Dopamin.wenige DAT-Proteine gebildet werden, vdie Signalbertragung ber das Dopamezient. Das fhrt dazu, dass Personen m

    KURZMELDUNGEN

    Neuer Saurier aus den Bndner AlpenBei Fossiliengrabungen der Universitt Zri imDucangebiet bei Davos unter der Leitung des Pa-lontologen Heinz Furrer entdete der ehren-amtlie Mitarbeiter Christian Obrist ein kleinesSaurierskele. Das ursprngli etwa einenMeter lange Reptil lebte vor 241 Millionen Jahrenauf grsseren Inseln oder am Strand des Urmee-res Tethys. Obrist setzte das in vielen Brust-en geborgene Fossil sorgfltig zusammen undlegte es in mehr als 300 Arbeitsstunden mit Press-lumeissel und feinen Prparationsnadeln frei.

    Eine erste Bestimmung zeigte die Zugehrig-keit zu Macrocnemus, einer Gaung der Pro-torosaurier, die bisher nur von der Tessiner Fund-stelle am Monte San Giorgio und aus Sdina

    bekannt war. Eine weitere Untersuung durden Saurierspezialisten Niolas Fraser vom

    Der kleine Landsaurier Macrocnemus obristi in den Fngen eines 2 bis 3 Meter langen Meeressauriers Nothosaurus.

    Heureka Neues aus

    der Forscung

    Bild:UZH

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    ihm soglei zu folgen. Nit im Hinbli arationale Einsit in die prinzipielle Gesolvon Hungerhilfe, aber im Bli auf die Versung, sie zu erbringen: Whrend wir beim eKind direkt Betroene sind, ist das beim zweben nit so.

    Das impliziert zweierlei: Erstens (und ntiv), dass wir unser moralises Urteilen umlen von der Steuerung dur unmielbare Wnehmung auf Bestimmbarkeit dur ratiReexion und vermielnde Imagination. Ztens (und analytis), dass die Situation, iwir das Leid anderer erfahren, immer noRolle spielt: Zwar liefern Nhe oder Distarationalen Diskurs ber moralis Gesollteswirkli starke Argumente, do Nhe undtanz bleiben witig, wenn es darum gehSorge ums eigene Wohl zu Gunsten anderer

    bar einzusrnken.Wer in moralisen Dingen primr au

    nun setzt, wird, wie Singer, das zwar zugaber es zuglei fr moralis irrelevant hzumindest dort, wo es ums GrundlegendeDo was ist der gute Grund fr diese TEnthlt sie nit son das, was sie allerergrnden sollte?

    Soglei ist man mien im Feld tief reiFragen. Denn, so zeigt si ras, alle moraArgumentation verweist letztli auf unmbare Intuitionen! Unter ihnen auf die, an dehngt: dass wir einander nie nur als Mieleigenen Zween, sondern stets als Mit-sen so, als wren wir selbst sie behasollen. Rational beweisbar ist das nmlimehr, do es ist der Grund, der die GoRegel begrndet.

    Und jetzt no einmal: Wie halten wir edieser anderen, der Goldenen Regel nit eiwiderspreenden, ihr aber nit umstansubsumierbaren Intuition, in der Nhe undtanz eben do eine Rolle spielen fr unserralisen Regungen?

    Georg Kohlerist emeritierter Professor fr Politischesophie an der Universitt Zrich.

    Eine berlegung des Philosophen Peter Singerzur Weltarmut stellt unsere moralisen Intui-tionen auf die Probe: Singer erinnert an dieSpontanreaktion, wenn wir Zeuge eines Un-gls werden. Ein Kind ist in den Fluss gefallen.Wir beobaten es und sind nahe genug, um hel-fen zu knnen. Ohne Zweifel werden wir das tun.Selbst wenn Kleider dabei kapugehen solltenund wir einen witigen Termin verpassen. Wersi anders verhlt, bekommt es mit unserer Em-prung zu tun.

    Nun variiert Singer die Situation: An die Stel-le der Ansauung tri eine allgemeine Vorstel-lung, die einen Saverhalt verbildlit. Ein hun-gerndes Kind ersetzt das ertrinkende; freili istes Tausende von Kilometern von uns entfernt irgendwo in Afrika oder in einem Slum von Kal-

    kua. Zu dieser Vorstellung fgt Singer die An-nahme hinzu, dass wir trotz der Entfernungwirksam helfen knnten; mit geringen Natei-len fr uns: dur eine Geldzahlung, von derSinger voraussetzt, dass sie mit Hilfe geeigneterInstitutionen das Kind mit Nahrung versorgt.Sind wir au jetzt no spontan zum persnli-en Einsatz bereit?

    Singer moniert, dass es vermutli nit soist. Wobei, wie gesagt, die pragmatise Basis desVergleis funktionierende Hilfsorganisatio-nen nit sein Thema ist. Do au wer bereitist, diese Bedingung anzuerkennen, hat Mhe,

    Das Kind im Fluss

    PHILOSOPHIE DES ALLTAGS von Georg Kohler

    ser Genvariante in der folgenden Nat einhheres Slaedrfnis haben als jene, diemehr DAT-Proteine ausbilden. Interessant istzudem: Probandinnen und Probanden mitweniger DAT-Proteinen und einer ezientenDopamin-bertragung reagieren nit nurstrker auf den Slafentzug, sondern auauf Stimulanzien wie Kaee. Trinken sie vorder Erholungsnat au nur eine geringeMenge Koein, etwa einen doppelten Espres-so, slafen sie weniger tief.The Journal of Neuroscience, Januar 7, 2014. DOI:10.1523/JNEUROSCI.4128-13.2014

    Resistente TuberkulosebakterienHeute sterben jhrli weltweit rund 1,3 Mil-lionen Mensen an Tuberkulose. Die Krank-heit ist wieder auf dem Vormars. Verant-wortli dafr sind Tuberkuloseerreger diegegen Antibiotika resistent sind. Besondersgefhrli sind horesistente Tuberkulose-bakterien, gegen die kaum mehr eine Antibio-tikatherapie wirkt. Jetzt ist es der Forsungs-gruppe von Erik C. Bger am Institut frMedizinise Mikrobiologie der UniversittZri zusammen mit Wissensalern ausden USA gelungen, einen neuen vielverspre-enden Wirksto zu entwieln, der nitnur die normalen Tuberkulosebakterien, son-dern au smtlie Formen der horesisten-ten Tuberkuloseerreger wirksam ttet.

    Dazu haben die Wissensaler das un-wirksame Antibiotikum Spectinomycin soumgebaut, dass es nun selbst resistente Erregerabtten kann. Das neue Miel umgeht den Ab-wehrmeanismus der Bakterien und bloiertihre Proteinsynthese. Mit diesen neu entwi-elten Spectinamiden steht eine neue Klassesemisynthetis hergestellter Tuberkulose-miel zur Verfgung, die insbesondere Pa-tienten zugutekommen knnte, die an hore-sistenter Tuberkulose erkrankt sind. Nademder Wirksto im Tiermodell erfolgrei einge-setzt wurde, muss er jetzt no in klinisenStudien am Mensen getestet werden.Nature Medicine. January 26, 2014. doi/10.1038/nm.3458

    Ausfhrliche Berichte zu den Themen unter:www.mediadesk.uzh.ch

    Alle moralise Argumentationverweist letztli auf

    unmielbare Intuitionen!

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    aber nit der Erzhler gesteht, dass er ihnnit weiss. Er verabsiedet si von seinergur, lsst si dann aber no ein gutes DSeiten Zeit, bis er die Gesite loslassen k

    Das Bewltigen von fast tausend Bu mit Genuss mate mir Mut, andere Venisse aus der Studienzeit nazuholen: Inun Robert Musils Der Mann ohne Eigeten zwei Driel der gut zweitausendhabe i bereits hinter mir!

    Thomas Poppenwimmerist Webberater und CD -Suin der Abteilung Kommunikation. Fr das Journalschreibt er regelmssig die Kolumne Zugabe!.

    EIN BUCH FRS LEBEN von Thomas Poppenwimmer

    Die StrudlhofstiegeVor langer Zeit stiess i beim Durstbern deselterlien Berregals auf einen sonderlienTitel: Die Strudlhofstiege von Heimito von Do-derer. Ein berhmter Autor zumindest inWien, erklrte mir damals mein Vater, ein ge-

    brtiger Wiener. Die Literatur meiner elterlienHeimatstadt interessierte mi, und so wandertedas Bu in mein Regal. Dort blieb es lange un-beatet, die gut neunhundert eng besriebenenSeiten sreten mi ab. I nahm zwei Anlu-fe, um es zu lesen. Der erste seiterte na einemDriel. Im zweiten sae i es zwar bis zumEnde, do zog si die Lektre ber ein Jahr hin,und am Sluss hae i den berbli verloren.

    Letztes Jahr, auf der Sue na einer Sommer-ferienlektre, el mir der inzwisen vergesseneSmker wieder in die Hnde, und i war er-staunt, wie viel davon mir no in Erinnerungwar. So nahm i ihn mit ans Meer, um ihn ein-mal ritig zu lesen. Am Strand hae i dieMusse, die i braute, um einzutauen in dasGesitenpanoptikum der Strudlhofstiege.

    An dieser no existierenden Wiener Treppespielen si einige der zentralen Szenen des Bu-es ab, in dem die Lebensgesiten von etwaeinem Dutzend Figuren in Wien um 1911 und1923 miteinander verwoben werden.

    Ausser der Strudlhofstiege selbst, an der ino nie war, sind mir die Orte des Romans be-kannt und zum Teil vertraut. Do in dieser Ge-site seinen sie mir fern und exotis. Eine soganz andere Zeit als die heutige breitet si aus eine gemlie, besaulie, langsame Zeit. DieGedanken und Handlungen haben viel Raum nits eilt. Es wird nit analysiert, sondern weitumsrieben, mit vielen seinbar belanglosenDetails. Au der Erzhler meldet si o zu Wort,kommentiert die Handlung, erklrt die Figuren und au sonst alles mglie. Dieser immer pr-sente Erzhler, der eine ironise Distanz zur Ge-site wahrt, faszinierte mi. I wartetet fastdarauf, dass er si wieder meldete.

    An einer meiner Lieblingsstellen gegen Endedes Bues wird die Hauptgur, bis dahin immerMelzer genannt, von seiner fris Verlobten mitdem Vornamen angeredet. Diesen erfahren wir

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    Der Film als wissensalies Medium spieltelange Zeit eine untergeordnete Rolle. Die siebteKunst, die die empathise Erzhlung ber diedistanzierte Betratung stellt, vertrgt sislet mit den strengen Gtekriterien empiri-ser Forsung. Do seit der Wende zum Bildin den Neunzigerjahren hat si dies verndert.An der UZH wurde diese Wende frh vollzogen.So besteht heute beispielsweise innerhalb desSwerpunkts Visuelle Anthropologie als eineBesonderheit der Lehre die Mglikeit, als Ab-slussarbeit einen ethnograsen Film zu er-stellen. Die Filmreihe Regard Bleu zeigt jhrli-e studentise Abslusslme, die im Rahmenvon Lizentiats- und Dissertationsprojekten imFagebiet der Visuellen Anthropologie entstan-den sind. Das Themenspektrum reit dabei vomPortrt einer Frauenretsorganisation in Madu-rai ber die nationale Identittsndung auf derInsel La Runion bis hin zu trkisen Fussbal-lerinnen.

    Zri spielte in der Entwilung des ethno-grasen Dokumentarlms eine bedeutendeund brisante Rolle. Heinz Nigg, damals Lehrbe-auragter am Ethnologisen Seminar der Uni-versitt, erforste 1980 die neuen urbanen Bewe-gungen in Zri. Am 30. Mai 1980 war er miteiner Gruppe von Studentinnen und Studentenan der Opernhaus-Demo dabei. Sie dokumentier-

    Fundraising mit BlumEine Universitt grnden ist nanzielPappenstiel. Dies musste 1837 au der 2rige Grtner Theodor Frbel feststellenHandwerk gelernt hae er in botanisenten im Ausland, und nun erhielt er dentrag, der damals no jungen Zrer Usitt einen ebensolen anzulegen. Vberrasend kann das nit gekommenFrbels Swiegerpapa war Johann Jakogetsweiler, ein angesehener Arzt und Rrungsrat, der si stark fr einen botaniGarten in Zri eingesetzt hae. UnterDirektorium des Botanikprofessors OsHeer sollte Frbel auf dem ehemaligenwerk Zur Katz den neuen Garten anzen. Dass si die besagten Herren alldem Sweizer Alpenclub kannten, dnits gesadet haben.

    Katzen, ein anderes Wort fr Kangab es keine mehr auf der BefestigungsaAber au Geld war leider nit viel voden. Deshalb erlaubte die Universitt Fnebenberui Panzen zu zten unverkaufen. So wurde auf der Katz nuneiner der ersten Alpengrten ausserhalBerge angelegt, und ein Gewshauseine romantise Groe no dazu, abesonsten wurden zunst hauptsSniblumen fr den Verkauf angepa

    Frbels Fundraising-Strategie war gukonnte das Palmenhaus mit exotisen K

    bumen, Guaven und eisfressendennenpanzen ernet werden. Zu diesempunkt war der gessttige Frbel bnit mehr Universittsgrtner, sondern

    ber einer Firma, die viel Erfolg hae bdamaligen High Society von Zri:etwas auf si hielt, liess si seinen Gvon Frbel im Stil eines Landsasumgestalten, so etwa die Familie WesendUnd au die Stadt beauragte die Fgerne, etwa fr die Gestaltung des Sthoferplatzes und des Platzspitzes. Zupanzung der Bahnhofstrasse ztete Fgar einen eigenen Baum, eine Sorte der Slinde, die dekorativ simmernde Blsitzt und sehr widerstandsfhig ist gStaub und Abgase.Von Tanja Wirz

    Dokumentiert Brche im Leben von Menschen im heutigen China: der Film Watermarks.

    ten die Demonstration mit einer Videokamera.Der Film lste ansliessend heige Kontrover-sen aus: Die Staatsanwaltsa wollte den Filmfr ihre polizeilien Ermilungszwee nutzen.Do Nigg weigerte si, das Material ber denAusbru der Jugendunruhen auszuhndigen.Das he, so Nigg, das Vertrauen in die Un-abhngigkeit und Freiheit der Wissensazerstrt. Do Nigg verlor in der Folge seinenLehraurag und die Aussit auf eine beruieKarriere im entlien Dienst. Aus dem Mate-rial entstand der Film Zri brnnt, der inrestaurierter Form wieder erhltli ist.

    Der moderne ethnologise Dokumentarlmgehort zwar nit den Erzhlmustern des Hol-lywood-Kinos. Do besrnkte er si lngstnit mehr auf die unbeteiligte Beobatung. Ernutzt au knstlerise Ausdrusformen wieSni und Rhythmus, Einsatz von Musik oderDramaturgie. Dass si dafr ein Publikum n-den lsst, beweist der Zrer Ethnologe undFilmemaer Luc Sdler. Mit Made in Hong-kong landete er 1997 einen Festival- und Kino-berrasungserfolg. Sein jngstes, 2013 fertig-gestelltes Werk lu gerade in einem ZrerKino: Watermarks. Anhand von drei Stationenerzhlt der Film von den Bren, denen dieMensen im heutigen China dur die rasanteEntwilung ausgesetzt sind. Das sehenswerteWerk zeigt die Kra des Genres, unerzhltenGesiten jenseits des medialen SlaglitsSitbarkeit zu geben.

    Sascha Rennerist freier Kunstjournalist.

    KUNSTSTCK von Sascha Renner RCKSPIEGEL 1837

    ChinesisceWasserzeicen

    Bilder: zvg

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    Beweise mir zuerst, dass du selbst kein Alien bist!,

    FORSCHUNG

    dur einen kosmisen Dmon eindrlidas Leben auf dem Mond sildert. Die Fantasiewar immer ein Teil der Wissensa, hltPhilipp Theisohn fest.

    Und sie ist nit nur ein Teil der Wissensa,sondern vielleit au die einzige Wae, mit dersi der Mens angesits der Erkenntnisse dermodernen Astronomie behaupten kann. Nietz-se konstatierte einst mit nternem Sarkas-

    mus, dass die menslie Zivilisation nitmehr als eine Minute im Winkel des Alls sei einkurzes Zappeln von klugen Tieren. Und dawusste er no nit, dass das Universum unab-lssig expandiert, dass die Galaxien auseinander-drien, sagt Theisohn.

    Interstellare Kommunikation

    Es gibt keine Hinweise ber Ufo-Besue imPreussen des 18. Jahrhunderts. Und Kant hat be-kanntli Knigsberg zeitlebens nie verlassen.Trotzdem kam der Philosoph dur Logik zumSluss, dass es im Universum weitere vernnf-tige Zivilisationen geben msse. Sobald dieMensen ahnten, dass sie nit die einzigen in-telligenten Wesen im All sein konnten, wolltensie si mit ihren entfernten Verwandten aufanderen Planeten austausen. Eines der dreiSubprojekte von Conditio extraterrestris be-sigt si mit der interstellaren Kommuni-kation, ein sehr ergiebiges Feld. Allein son dieDimensionen von Raum und Zeit stellen einenDialog zwisen Sonnensystemen vor grosseHrden. Selbst das snellste Medium Lit hatangesits der Distanzen eine sehr besrnkteGeswindigkeit. Das zweite Grundproblem be-

    Wer si wie Philipp Theisohn ein so abgespace-tes Forsungsgebiet ausgesut hat, dem wirdo die Frage gestellt: Gibt es wirkli Ausserir-dise? Theisohn kontert jeweils mit einem Satz:Beweise mir zuerst, dass du selbst kein Alienbist! Der SNF-Frderprofessor am DeutsenSeminar verunsiert gern. Theisohn spritau eine Mundart, die swer einzuordnen ist.Die meisten lokalisieren mi in einer Gegend,die sie selbst nit so gut kennen, meist im Ir-gendwo zwisen Solothurn und Freiburg. Dasreit mir son, sagt der 39-jhrige gebrtigePflzer. Ihm gefllt die Rolle des Aliens, der inkeine Sublade passt.

    Theisohns Forsungsprojekt Conditio extra-terrestris verfolgt die ausserirdisen Spuren inder Gesite unseres Planeten. Ohne Zweifelsteht fr den Kulturhistoriker fest, dass wir nitallein sind. Unheimlie Begegnungen der drit-ten Art sind gar nit so slet dokumentiert,wie man meinen knnte. Die Literatur bereist dieGalaxien immerhin son seit Jahrhunderten.Entseidend fr die Karriere der Ausserirdi-sen war dabei die Erndung des Fernrohrs1609. In dem Moment, in dem aus den SternenPlanetenoberen werden, die mit unserer ver-gleibar sind, ist die wissensalie Fantasiegezwungen, die Le zwisen dem, was mansehen kann, und dem, was man no nit sehenkann, zu sliessen, sagt Theisohn.

    Sternenforscher als Philosophen

    Die Mensheit musste si in einem Raum, indem die irdise nit die einzige Welt ist, neuzuretnden. Wenn sie si seither in Selbstre-exion bt, kommt sie nit darum herum, dasunendlie All mitzudenken, und je mehr dieSternenforser ber das Universum herausge-funden haben, desto mehr waren sie als Philo-sophen gefordert. No bevor er zum ersten Malein Fernrohr in der Hand hielt, verfasste JohannesKepler eine Traumerzhlung, die vermielt

    tri die Sue na einer gemeinsamen Smit einem unbekannten, sehr fernen GegeWer den interstellaren Kontakt sut, mueinmal eine Sprae des Kosmos nden.

    Wir sind nict alleinAusserirdise haben auf der Welt viele Eindre hinterlassen, und sie sindlngst mien unter uns. Diese These vertri der LiteraturwissensalerPhilipp Theisohn, der Weltallfantasien erforst. Von Claudio Zemp

    Die Literatur entdet dieMarsmonde 150 Jahre, bevor die

    Astronomie sie sieht.Philipp Theisohn

    Bild: KeystoneWebsite: www.ds.uzh.ch/conditioextraterrestris

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    Musikbeispiele von Mozart bis Ro nAu eine kurze Ansprae des damaligenGeneralsekretrs Kurt Waldheim wurde aReise gesit.

    Die ersten Versue dazu wurden 1977 unter-nommen. Damals site die Nasa eine Bot-sa ins All, die an Bewohner ferner Sonnen-systeme geritet war. An Bord der Voyager-

    Raumsonden benden si goldene Sallplaenmit einer Visitenkarte des Planeten. Neben Fotosder Erde sind darauf gesproene Grsse in55 Spraen, Natur- und Tiergeruse sowie

    wissenschaftler Philipp Theisohn Szene aus dem Film Mars Attacks! (1996).

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    Faszinierend!, wrde Spo, der Erste Ozieraus der bekannten TV-Serie Raumsi Enter-prise, wohl dazu sagen und die Augenbraueheben. Aber wird diese Botsa je ankommen?Selbst wenn die Sonde auf eine intelligente Spe-zies trfe, wrde es diese saen, die goldeneSallplae aufzulegen? Und wenn ja, was freinen Eindru gbe das von unserer Spezies?Wrde si berhaupt jemand die Mhe maen,eine Antwort zu senden? Und wre die Mens-heit no da, wenn diese eintrfe? Vielleit istes au gar nit so geseit, dur Signale aufuns aufmerksam zu maen, gibt Theisohn zubedenken. Sliessli knnte unsere Zivilisationfr Nabarn au eine Beute sein.

    Ausserirdische Fantasten

    Wenn die Wissensa neue Theorien entwiel-te, etwa jene der Evolution der Arten, wurdendiese au mit dem Universum verknp. Neuewissensalie Erzhlmodelle nden rasihren Weg ins Weltall, denn dort braut mansie, sagt Theisohn. Viele grosse Denker warenherausragende ausserirdise Fantasten. Voltaireetwa besrieb 1752 in der Erzhlung Microm-gas, wie ein Siriusbewohner mit einem Sekretrdes Saturns zur Erde reiste. Kant nahm an, dassWesen auf der Venus vernniger sein mssten,da sie nher an der Sonne lebten. Auf der Erdegab es sliessli genug dunkle Regionen.

    Potenziell waren die frhen Zeugnisse derextraterrestrisen Fantastik stets gefhrdet, weilsie die bestehende Ordnung in Frage stellten.Kepler und Galileo haen Swierigkeiten mitder Inquisition. Mehrere Pioniere der Science-Fiction trauten si gar nit, ihre Srien zuLebzeiten zu druen. So ersien au Cyranode Bergeracs Die andere Welt 1657 posthum.Cyrano besreibt darin sehr lustvoll einen in-terplanetarisen Literaturbetrieb, in dem ver-folgte Autoren und ausserirdise Wesen inregem Kontakt stehen. Whrend etwa BergeracsKollege Tommaso Campanella in den Kerkernder Inquisition darbt, sind seine Srien unterden Aliens ret beliebt kein Wunder, denndiese haben ihn zu deren Abfassen berhaupterst angeregt. Die Erde kommt im kosmisenVerglei o slet weg. So au in der erstendeutsspraigen Raumfahrtfantasie des Astro-nomen Eberhard Christian Kindermann (Die

    Geswinde Reise auf dem Lu=Si na derobern Welt, 1744). Darin bewerten die Bewohnereines Marsmondes das rstndise Speier-medium Bu etwa so wie Arologen Hhlen-malereien.

    Fr die medialen Weltraumforser von heutesind diese o witzigen Vorstellungen keineswegslerli. Man muss die Fantasie ernst neh-men, sagt Theisohn. Er verweist auf die beidenMarsmonde, die bei Gullivers Reisen 1726 von

    Jonathan Swi besrieben werden: Die Litera-tur entdet die Marsmonde 150 Jahre, bevor dieAstronomie sie sieht. Gesehen und getau wer-

    den Phobos und Deimos erst 1877 vom Astrono-men Asaph Hall. Dass die Literatur 150 Jahre vorder Astronomie ins Swarze getroen hat, istfr den Literaturhistoriker ein slagender Be-weis, dass es die Imagination fr jeglie Er-kenntnis braut. Theisohn geht no weiter:Wir knnen eigentli nits im All entdeen,wofr wir keine Erzhlung haben.

    Wir sind fremd geworden

    Im 19. und 20. Jahrhundert verndert si die Les-art des Universums erneut. Die Ausserirdisenin der Literatur werden zunehmend unfreundli-er, whrend sie zuvor no wohlwollendesInteresse an der Spezies Mens bekundet haen.Neue bedrohlie Szenarien tauen auf, etwaDer Krieg der Welten von H. G. Wells.

    Der Sri ins Nits des Alls bleibt niemalsohne Folgen fr die Mensheit, lautet eine wei-tere These Theisohns: Unser Irrtum bestehtdarin, dass das Weltall ohne Folgekosten zu ent-deen wre. Er sprit ber Robert A. HeinleinsRoman Starship Troopers, dessen Lektre ihnnotabene ins Thema gezogen habe. Die Gesi-te vom Krieg mit kfergestaltigen Aliens zeigeeines sehr gut: In dem Moment, wo wir wirkliin den ausserirdisen Raum gehen und seinenBedrohungspotenzialen etwas entgegensetzen,fangen wir an, uns zu verndern. Um berhaupteine Chance zu haben, mssen die Mensen zu

    Ttungsmasinen werden. Humanistisale haben in der Konfrontation mit dennits mehr verloren, der Mens selbst wAusserirdiser.

    Science-Fiction erlebt im Moment einenim deutsspraigen Raum, wo sie lngeden USA stiefmerli behandelt wurdnen si na und na immer mehr etaLiteraten der Gegenwart dem Genre. Thist berzeugt, dass das mehr ist als nur einMode: Reinhard Jirgl, Christian Krat, DDath, Georg Klein oder Clemens Setz. Wsreiben alle diese Leute auf einmal SFiction? Die Antwort liegt in den brennFragen der Zeit, die al lesamt kollektive Verungen betreen: Das Zeitalter der Subjeneigt si dem Ende zu. Die entseidendgen, die anstehen, sind allesamt Fragen dzies, Fragen, die mitunter sogar na posnen Antworten verlangen. Und die literReexionsform dazu sei nun einmal sondie Science-Fiction gewesen.

    Kosmische Ambitionen

    Selbst beim Bli dur das hoteHubble-Teleskop gibt es Momente der Imtion: an jener Grenze, wo das Auge nitsieht und die menslie Vorstellunbernimmt. Der Mens stsst im 21. Jadert einmal mehr an viele Grenzen. An densue na der nsten Stufe des Zusalebens beteiligt si die Literatur so rege w300 Jahren Ariosts Prinz Astolfo, der auMond den verlorenen Verstand des raRoland in einer Flase nden musstesehr ambitionierte Vorstellung eines aussen Wissensspeiers, so Theisohn.

    Das Fantasma einer ausserirdisen sa dient ihm duraus als Motivatseine Forsung. Das Urteil der irdisen wart knnte einmal relativ unwitig wsagt er: Dass der Sinn unserer Arbeit sivor dem grossen Ganzen entziern lasse diese Gedankenspiele maen nit wUnd i nde sie au nit verkehrt.

    Kontakt: Prof. Philipp Theisohn, [email protected]

    Unser Irrtum besteht darin,dass das Weltall ohne Folgekosten zu

    entdeen wre.Philipp Theisohn

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    FORSCHUNG

    50 000 Kinderzeinungen aus ber hundertJahren sind im Ariv fr Kinder- und Jugend-zeinungen der Stiung Pestalozzianum an derPdagogisen Hosule Zri gesammelt

    Zuerst passiert man die Bste von Johann Hein-ri Pestalozzi, dann dringt man zu den Karton-sateln vor. In einem verstellten Keller in Z-ri Nord lagert ein wahrer Satz. Mehr als

    worden. Sie zeigen historise, zeitgesiund alltglie Ereignisse und Erlebnissunverblmter Kinderperspektive.

    Szenen aus ganz versiedenen Kinderaern hier aus den verstaubten SaZeinungen, Skizzen, Serensnie, Srisse, Collagen erzhlen von der Sule, dehause, ber den Sonntagsspaziergang, den Sausug, sie zeigen beste Freunde, begehrteund Fantasiewelten. Es sind eigentli Trerfllte und unerfllte Wnse, ngsteFreuden, die in den Kartonsubern lagern

    Gezeicnete TrumeIn Zeinungen, Skizzen und Collagen geben Kinder Einblie in ihre eigeneWelt. Diese hat si verndert, wie Kunsthistorikerin Anna Lehninger zeigt, dieein Ariv mit ber 50 000 Werken untersut. Von Simona Ryser

    Menschen und Autos, 1950er-Jahre: Zeichnungen sind eine schillernde Art der Geschichtsschreibung aus kindlicher Sicht.

    Bilder: zvgWebsite: www.ipk.uzh.ch

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    Frau mit Kinderwagen sreitet dur alle Jahr-zehnte. Der Soldat aber taut nur in den Kriegs-jahren auf. Zuweilen ist er in der Gestalt vonGlobi dargestellt, der 1932 als Werbetrger desKauauses Globus ins Leben gerufen wurde.Eine sillernde Art von Gesitssreibungaus kindlier Sit harrt hier der Lektre.

    Gefrdert vom Forsungskredit der Univer-sitt Zri und angesiedelt am SwerpunktKinder- und Jugendmedien am Inst itut fr Popu-lre Kulturen hat si Anna Lehninger diesesKonvoluts von Bildern angenommen. Was mifasziniert, ist, dass hier ein ganzes Jahrhundertin Bildern von Kindern dargestellt ist, sagt diepromovierte Kunsthistorikerin. Dieses Selbst-

    bild der Sweiz, ber Jahrzehnte gespiegelt ausder Sit von meist 10- bis 16-jhrigen Slerin-nen und Slern, ist einzigartig in dieser Form.

    Zeichnungen von Drrenmatt

    Lehninger wurde von einem Kollegen in Wien aufdie Fundgrube aufmerksam gemat. Als sie balddarauf in Zri in die Tiefen des Depots der P-dagogisen Hosule stieg, staunte sie nitslet. Hinter den Regalen mit ausrangiertemSulmaterial stapelten si die ungehobenenStze in Kartonkisten und Holzsubern.30 000 Kinderzeinungen, Serensnie undCollagen, zusammengetragen aus diversen We-

    bewerben, sowie 20 000 Einsendungen aus We-bewerben, die der traditionsreie Pestalozzi-Kalender von 1912 bis 1984 ausgesrieben hae,lagerten hier. Lehninger mate si an die Arbeit.

    ber die Jahre wurde die Sammlung von di-versen Personen betreut entspreend hetero-gen sind die Arivierungsanstze. Das Materialist zwar ein Paradies fr Satzsuende, um esallerdings wissensali zu bearbeiten, bedarfes der Systematisierung. Einen kleinen Teil hatLehninger bereits inventarisiert und na neues-tem konservatorisem Stand eingelagert. DieEinreiungen fr den Pestalozzi-Kalender wur-den allerdings einst thematis abgelegt, sodasses swierig ist, mit diesem Bildmaterial syste-matis zu arbeiten.

    Immer wieder mat Lehninger au Zufalls-funde, wenn sie etwa fr eine Ausstellungsan-frage na passenden Bildern in diesen Subla-den whlt. Dort hat sie au eines Tages Bilderdes 13-jhrigen Friedri Drrenma gefunden.

    Fr ihre Forsung konzentriert si Lehningerauf eine Auswahl von Zeienwebewerben, dieversiedene Unternehmen ausgesrieben hat-ten. Die SBB zum Beispiel lancierten 1946 einenWebewerb anlssli des 100-jhrigen Beste-hens der Sweizer Bahnen und zeigten an-sliesssend landesweit eine Auswahl aus ber10 000 Kinderzeinungen in diversen Ausstel-lungen. Einen weiteren Webewerb lancierte dasSulamt der Stadt Zri 1953 zusammen mitdem Automobil Club Sweiz zwes Verkehrs-erziehung. Ein freundlies Handzeien warder Titel, entspreend vielfltig waren die Ein-gnge der jungen Verkehrsteilnehmer, die dannim Stadthaus ausgestellt wurden.

    Die Fantasie frdern

    Eigentli wurde die Sammlung 1932 vom Pri-marlehrer Jakob Weidmann aus einem Reform-gedanken heraus gegrndet. Der Zeienunter-rit, der bislang das Zeinen na der Natur,also des Abbildens lehrte, sollte erneuert werden.Bisher wurde vor allem das Abzeinen naVorlagen eingebt. Das Neue Zeinen hinge-gen, wie si die Bewegung nannte, sollte das

    Zeinen na der Fantasie frdern. Jakob Weid-mann wollte dieses Vorhaben dokumentierenund die so entstandenen KinderzeinungenFapersonen und Zeienlehrern zu Studien-zween zur Verfgung stellen. Mit der Zeitwurde das Ariv erweitert, weitere Sulsamm-lungen wurden integriert, unter anderen aubesagtes Konvolut der Pestalozzi-Kalender-Zeinungen. So ist ein immenser Fundus vonKinder- und Jugendzeinungen zusammenge-kommen. Tatsli wurden immer wieder Teileder Sammlung im Ausland gezeigt. JapaniseSrizeien auf der Rseite einiger Exemp-lare belegen, dass einige Zeinungen gar inAsien ausgestellt worden sind.

    Lehninger untersut anhand des wunderba-ren Bildmaterials, wie si historise und kul-turgesitlie Ereignisse und Vorgnge darin

    spiegeln. Spannend wird es, wenn man dgenmerk auf die Alltagswelt der Kinder leGenossensaszeitung von Coop srieauf der Kinderseite Dr Ueli einen Webmit dem Titel Bei uns daheim aus. Przidie ansprusvollen Auagen ausgesDie Zeinungen drfen nur in SwaWeiss gezeinet sein und mssen Post

    Blick in die gute Stube: Kinderzeichnungen dokume

    Die Frau mit Kinderwagen sreitetdur alle Jahrzehnte. Der Soldat

    taut nur in den Kriegsjahren auf.

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    raus und gewhrt einem einen Bli ins PrEs hat eine alltglie Familienszene dargeund malt die Kinder frhli jauzend iBadewanne.

    Ein neues Kapitel ernet die Firma Ke1964 sowohl in Saen Werbestrategie wiein der Art der Zeientenik. Die Tradirma fr Haferoen verlangt in ihrersreibung, dass die Kinder vier Kentaurenren, die sie in den gekauen Paungennden, auf ihre Zeinung kleben mssen.500 Einreiungen sind bis heute erhaltenKinder fanden berrasend lustige und se Bildlsungen mit den ReklamegurenKind liess die Kentauren etwa eine Lokommit Jim Knopf und Lukas dem Lokomotivfziehen, in einem anderen Bild reiten die Keren um den Zrer Bgg. Es spiegeln siau zeitlie Ereignisse in den Bildern, diestellung eines U-Boots verweist auf die Expoin Lausanne.

    Krieg und Wohlstand

    Der Stil der Kinderwerke verndert si imder Jahrzehnte. Bis in die 1940er-Jahre sinZeinungen karg, vom Krieg geprgt. INakriegszeit werden die Bilder, unterdur die Erndung der Wasstie NeocoJahr 1952, allmhli reier und bunterbilden den auommenden Wohlstand aknnen si Familien pltzli erlauben, inLnder zu reisen. Die Kinder halten diese Feindre fest. So slgt si die GesiBildmaterial nieder. Allerdings, so Lehnilassen si wenig allgemeingltige Rsziehen, so vielfltig ist die Fantasie der Kin

    Diese geht verslungene Wege und kmsi wenig um den Lauf der Zeit. Die berhBlumenfeen und Kferkinder von Ernst Krwaren in teilweise fast perfekter Naahm bis zum Tod des Knstlers 1956 in Kindernungen sehr prsent. Dann verswinden sdem Bildrepertoire der Kinder. Do 1964 tein Wiedergnger in einem Bild des KenWebewerbs auf. Es sind wunderbare bsungen, die Anna Lehninger aus den Kizeinungen immer wieder zufallen.

    Kontakt:Dr. Anna Lehninger, [email protected]

    format haben. Nur so knnen spter die prmier-ten Werke in der Zeitung abgedrut werden.

    Die Kinder dokumentieren ihr Zuhause, dieFamilie, die Wohnung. Man sieht, wo si in den1950er-Jahren das Kinderleben abspielen dure:in einer Ee der Wohnung, etwa auf dem Sofaim Wohnzimmer oder in der Ke, oder aberdraussen im Garten. Das eigentlie Kinderzim-

    mer taut erst auf Bildern in den 1970er-Jahrenauf. Ihre Familien zeinen die Kinder, wie essi fr die Zeit gehrte, die Bilder haben einenreprsentativen Charakter: die Familie beimSonntagsausug oder im Wohnzimmer drapiert,die Muer strit, der Vater liest die Zeitung, dasMden spielt mit der Puppe, der Knabe mitdem Auto. Ein Kind al lerdings ist seiner Zeit vo-

    tag der Schweizer Familien (1950er-Jahre).

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    FORSCHUNG

    lang in der gleien Firma arbeiten, sind die Aus-nahme, kurzfristige Besigungsverhltnissehug die Regel. Die Berufswelt ist unsierergeworden, langfristige Perspektiven fehlen o.

    Nit zu wissen, was die beruie Zukunbringt, verunsiert. Wenn ein Arbeitgeber mit-teilt, dass der Arbeitsplatz gefhrdet ist, hat dasimmer negative Auswirkungen, besttigt Mar-tin Kleinmann, Professor fr Arbeits- und Orga-nisationspsyologie an der Universitt Zri,

    Der Flu der Globalisierung ist ein gnadenloserWebewerb. Wer zu spt die Ezienz steigert,den bestra der Markt. Unternehmen fusionie-ren, restrukturieren, verslingen die Konkur-renz, stossen Produktionssten ab, kaufen T-ter dazu. Sie downsizen den Verwaltungsappa-rat, outsourcen ganze Abteilungen, gruppierendie Belegsa um. Massenentlassungen und dasAbsieben in die Frhrente gehren zu Unter-nehmensstrategien. Besigte, die jahrzehnte-

    der si seit Jahren mit diesem Thema bDie physise und psyise Gesundhdet, die Motivation und die Bindung ansnehmen werden beeintrtigt.

    Do was miels aggregierter DatDursni eine klare Tendenz aufweisauf der individuellen Ebene sehr untersaussehen. Trotz Dutzenden von Studien etwa no nie untersut, wie Persnlimerkmale und die wirtsalie LageUnternehmens mit der individuellen Verurung korrelieren. Diesem unbestellten FArbeitspsyologie nahm si die DoktoMaike Debus zusammen mit Martin Kleian. Man ist frher immer davon ausgegdass man si vor allem dann am Arbeiunsier fhlt, wenn es dem Unternehmenziell slet geht und es nit mehr konku

    Krank zur ArbeitWer Angst um seinen Arbeitsplatz hat, leidet. Die Arbeitnehmenden reagieren

    jedo untersiedli darauf: Bei den einen lsst die Motivation na, whrendandere umso einsatzfreudiger werden. Von Thomas Buomberger

    Persnlichkeitsmerkmale sind entscheidend: Wer eher pessimistisch ist, ist auch verunsichert, wenn es dem Unternehmen blendend geht. Umgekehrt: Wer entspannter ist, w

    Bild: Martin Ruetschi/KeystoneWebsite: www.psychologie.uzh.ch

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    snell entseiden, wer entlassen wirdKleinmann, damit kein kommunikatives Vum entsteht. Studien hen gezeigt, dassdie Einritung einer Hotline, regelmssiformationsveranstaltungen und ganz w eine glaubwrdige Information dur diegesetzten verhindern, dass die Fantasie zAuslauf bekomme. O sei aber so Klein eine gewisse Egozentrik des ManagemenSpiel. Es verfge ber alle Informationen uder irrigen Meinung, dass au die unteren Sgengend informiert seien. Diese Asymmder Information werde o nit wahrgenomund deshalb msse mglist zeitnah inforwerden. Unternehmen unterstzen hu

    Wirkung, wenn sie Entlassungen ankndimeint Kleinmann, und sind si o nit imren, was in den Kpfen der Betroenen abl

    Arbeitsplatzunsierheit wirkt si auf Faktor ambivalent aus: die Arbeitsleistung.rend die einen demotiviert sind, si innson vom Unternehmen gelst haben, zsi andere umso einsatzfreudiger und leistbereiter, leisten berstunden oder gehenzur Arbeit, wenn sie krank sind. So zeigteStudie mit 500 Besigten in Holland unrael, dass diese glaubten, dass ein grosserput, eine gute Leistung sie gegen den VerluArbeitsplatzes stze. Damit verbunden wdie Vorstellung, dass ihre Leistung den ErfoUnternehmens verbessere und damit die Sheit des Arbeitsplatzes. Insgesamt aber sin

    belastenden Aspekte strker als das MomeHerausforderung. Der frhere Swiss-Re

    Jacques Aigrain lag also 2006 mit seiner Aufals, dass seine Angestellten zu trgeselbstgefllig seien und dass deshalb eine Esungswelle sie aufween wrde.

    Nit in allen Kulturen und Gesellswird auf Job-Unsierheit glei reagiert. allgemeinernd lsst si sagen, so Maike Ddass Personen in eher individuell geprGesellsaen wie den USA weniger negat

    fhig ist, erklrt Maike Debus. Diese Hypothe-se wollte i berprfen und wissen, wie starkPersnlikeitsmerkmale beim Erleben von Ar-

    beitsplatzunsierheit zu gewiten sind.

    Pessimisten sind pessimistischer

    Anhand eines failure score (Insolvenzrisiko),in den unter anderem Daten zu Versuldung,Unternehmensgrsse und Branenzugehrig-keit eingehen, liess si eruieren, wie si diewirtsalie Lage einer Reihe Sweizer Un-ternehmen aus versiedenen Branen prsen-tierte, ob sie brenstark unterwegs waren odernahe einer Pleite. Miels Fragebogen ermielteDebus Persnlikeitsmerkmale von Besig-ten, insbesondere die negative Aektivitt, alsodie Tendenz, belastende Emotionen wie ngst-likeit, rger oder Depressivitt zu erleben. Sol-

    e Personen haben eine pessimistise Lebens-einstellung und ein negatives Selbstbild, sehenimmer nur das halb leere Glas. Eine zweite Va-riable, die sie untersute, war die internale Kon-trollberzeugung. Wer davon eine starke Por-tion besitzt, ist berzeugt, alles im Gri zu haben,selber Herr seines Sisals zu sein. Auf der an-dern Seite der Skala sind diejenigen, die glauben,das Sisal mae ja do mit ihnen, was eswolle. Wir konnten nun zeigen, fasst Debus dieResultate ihrer Studie zusammen, dass die ne-gative Aektivitt und eine niedrige internaleKontrollberzeugung einen strkeren Einussauf die Arbeitsplatzunsierheit haben als dienanzielle Lage eines Unternehmens. Wer alsoeher grau sta Sonnensein sieht, wird si auverunsiert zeigen, wenn es dem Unternehmen

    blendend geht. Umgekehrt: Wer vieles entspanntsieht, wird au bei der Ankndigung von Ent-lassungen nit glei aus der Bahn geworfen.

    Angst haben alle

    Do wie reagieren Betroene auf die Ankndi-gung von Entlassungen? Zuerst mit Angst undVerunsierung, sagt Martin Kleinmann. Manwill es nit wahrhaben, man diskutiert auf denGngen und in der Kaeepause, will wissen, wer

    betroen ist. Dabei gehe au sehr viel produk-tive Ttigkeit verloren, weil si die Betroenenzuerst emotional und kognitiv neu organisierenmssten. Diese Verunsierung kann bis hin zuvermehrten krankheitsbedingten Ausfllen fh-ren, zu verminderter Arbeitsleistung, weil Kon-zentration und Motivation nalassen. Die Ge-danken kreisen immer um die Frage: Tri es aumi? Do gerade ein soler Leistungsabfallkann dazu fhren, dass dann jemand auf die Listeder zu Entlassenden kommt. Indes kann au dergegenteilige Eekt eintreten: Betroene versu-en o, si unentbehrli zu maen, oder sindgesig, wenn der Chef in der Nhe ist. AberAngst haben alle. Au jene, an denen der Keleiner Entlassung vorbeiging, knnen nit ritigglli sein. Man weiss, dass etlie na einervermiedenen Entlassung Probleme haben, weilsie si bewusst sind, dass es das nste Malau sie treen kann, erklrt Martin Kleinmann.

    Wenn Entlassungen drohen, brodelt die Ge-rteke, was der Arbeitsatmosphre nitunbedingt zutrgli ist. Unternehmen mssen

    Au jene, an denen der Keleiner Entlassung vorbeiging, knne

    nit ritig glli sein.

    gekndigten Entlassungen nicht gleich aus der Bahn geworfen.

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    FORSCHUNG

    Professor fr Wirtsasgeograe an desteht der konomisierung aller Lebensbkritis gegenber: Die konomen habbemerkenswert geslossene Vorstellun

    Die konomise Sitweise nit nur auf dieWirtsa, sondern au auf die Gesellsafeiert einen wahren Siegeszug. Sie seintkaum mehr aufzuhalten. Do Christian Berndt,

    Wider die konomisce LogikDie konomisierung setzt si immer strker dur mit drastisen Folgenwie der Wirtsasgeograf Christian Berndt mit Beispielen aus der ganzen W

    belegt. Er fordert deshalb ein Umdenken. Von Felix Wrsten

    Frauen beim Bestellen ihrer Felder in Malawi: Was geschieht, wenn Bauern in Afrika nicht mehr fr den Eigenbeda

    Verunsierung reagieren. In eher kollektivstrukturierten Gesellsafen wie China hin-gegen ist es umgekehrt: Hier sind die Sier-heit des Arbeitsplatzes und ein angemessenerLohn witiger als die individuelle Entfaltungim Beruf. Aus diesem Grund reagieren Perso-nen in kollektivistisen Kulturen strker ne-gativ auf Arbeitsplatzunsierheit. Au dasSozialsystem eines Landes spielt eine Rolle:Wo dieses gut ausgebildet ist und man beimVerlust des Arbeitsplatzes nit glei ins Bo-denlose fllt, reagieren Personen weniger ne-gativ auf die Unsierheit als in Lndern mitgeringen Sozialleistungen. Untersiede gibtes au in Bezug aufs Alter: So reagieren lte-re Besigte o gelassener auf angedrohtenArbeitsplatzabbau, weil das fr sie einer Frh-pensionierung gleikme.

    ngstliche aussortieren

    Seit dreissig Jahren wird ber Arbeitsplatzun-sierheit geforst, Dutzende von Studienwurden dazu erstellt. Was ist bei den Unter-nehmen davon angekommen? Unternehmenwissen heute, dass Arbeitsplatzunsierheitein Stressor ist, und versuen, in dieser Situ-ation mit den Mitarbeitenden anders umzuge-hen als frher, sagt Martin Kleinmann.

    Wele Erkenntnisse aus der Studie vonDebus/Kleinmann lassen si nun fr die Pra-xis anwenden? Bei einem Anstellungsge-spr knnte man den Bewerbern mieilen,dass ihr Job nit unbedingt sier ist, dass ervielleit zeitli besrnkt sei, empehltMartin Kleinmann. Das wre eine Art Selbst-selektion und wrde die eher ngstliendavon abhalten, einen solen Job berhauptanzunehmen.

    In Zeiten grosser Arbeitslosigkeit ist dieJob-Unsierheit nit nur ein dankbares For-sungsgebiet, sondern fr viele eine Realitt.Das wird si aber dur den demograsenWandel ndern, sagt Martin Kleinmann. InZukun werden Arbeitskre gesut sein,und damit wird au die Verunsierung zu-rgehen.

    Kontakt: Prof. Martin Kleinmann, [email protected]

    Bild:Graeme Williams/KeystoneWebsite: www.geo.uzh.ch

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    wielt, wie die Wirtsa und letztli au wirMensen funktionieren, erklrt er, dieseGewissheiten mte i mit meiner Arbeithinterfragen.

    Rational und eigenntzig

    Prgend fr die heutigen Wirtsaswissen-saen ist na wie vor die neoklassise Su-le. Diese geht davon aus, dass si die Markeil-nehmer so verhalten wie der Homo oeconomicus,der stets rational handelt und eigenntzig denkt.Allerdings wird der neoklassise Ansatz von

    versiedener Seite zunehmend in Frage gestellt.In jngerer Zeit hat si vor allem die Verhaltens-konomik als Alternative etabliert, konnte diesemit Experimenten do zeigen, dass si Men-sen irrational verhalten und zuweilen aualtruistis handeln. Der Erfolg der Vehaltens-konomik kommt fr Berndt nit berrasend,bestehen do bei nherer Betratung etlieGemeinsamkeiten mit dem neoklassisen Main-stream. Deshalb tragen au Vertreter dieserRitung letztli dazu bei, dass si das kono-mistise Weltbild in immer mehr Bereien er-

    folgrei dursetzt zum Beispiel an denversitten, wo heute Slagwrter wie Wwerbsfhigkeit oder Studierendenmarkzum alltglien Vokabular gehren.

    Bemerkenswert ndet Berndt diese Entlung, weil die konomis geprgte Sitvieles ausblendet. Es ist wie bei einem EisDer sitbare Teil gehrt gemss der gnLehre zum Markt. Der grosse Rest unterWasser zhlt hingegen nit dazu und giltzufolge als vernalssigbar.

    Blinde Flecken der Mainstream-konomi

    Do zu diesem unsitbaren Teil gehrt eiwas fr die Gesellsa witig ist: unbezHausarbeit oder freiwillige Ttigkeiten aber au traditionelle Wirtsasformen wgemeinsame Bewirtsaung einer Allmendas wird von den Mainstream-konomihren Modellen ausgeblendet. Ihn als Forinteressiert nun: Wo verlu die Grenzesen dem sitbaren Markt und dem un

    baren Rest? Wie wird diese Grenze immeder neu gezogen? Und was gesieht, wennGrenzen versoben werden zum Bewenn soziale Institutionen wie Spitler Sulen zu Konkurrenten auf dem Gesundoder Bildungsmarkt werden oder wenn afrse Kleinbauern nit mehr fr den Eigenbproduzieren, sondern fr den Weltmarkt?

    Damit kein Missverstndnis auoBerndt ndet diese konomisierung nit slet, denn sie hat au viele positive AspMir geht es darum, diesen Wandlungsprzu beleuten, weil wir mit unserer verinneten konomisen Denkweise immer wiedefahr laufen, Saen, die nit gemss dieser funktionieren, abzuwerten oder zu berse

    In Indien etwa, so erlutert Berndt deinem Beispiel, stellte man in lndlien Sfest, dass der Unterrit immer wieder aunit etwa, weil die Sler nit zur Skamen, sondern weil die Lehrer fehlten. Da

    blem liess si in einem verhaltenskonoinspirierten Feldexperiment einfa lsenSler mussten jeden Morgen den Lehrergraeren, und dieser erhielt den vollen Lohno, wenn er mit den Fotos seine Anwese

    belegen konnte. Oenbar fragte si niemwarum die Lehrer so hug fehlen, m

    sondern fr den Weltmarkt?, fragt sich Wirtschaftsgeograf Christian Berndt.

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    mehr infos:www.aki-zh.chHirschengraben 86 (unterhalb der Polybahn), 8001 Zrich. Tel. 044 254 54 60; [email protected]

    SEMESTERERFFNUNGSFESTDonnerstag, 20. Februar, 18.30 UhrMit einem Gottesdienst, gefolgt von Speis

    und Trank, starten wir ins neue Semester.

    WAS IST DAS FR EIN MENSCH? (MK 4,41)- JESUS-BILDER IM MARKUSEVANGELIUM

    Di, 04.03; 18.30 Uhr (Einstiegsabend); Sa, 22.03.und Sa 12.04.14; 10.00-16.00 UhrIn dieser Lesegruppe werden Teile des Markus-

    evangeliums diskutiert und dabei Methoden zur

    Lektre von Bibeltexten eingebt.

    Leitung: Detlef Hecking, BPA, Zrich;

    Dr. Gabriela Lischer, aki

    FR STUDIERENDE UND JNGERE ERWACHSENE BIS 35 J.

    25.2. THE WORLD IN A

    GRAIN OF SAND A GENEALOGY

    OF WORLD ART STUDIES

    11.3. TRACKING THE

    ROUTES OF VISION IN

    EARLY MODERN EURASIA

    25.3. MOBILE OBJECTS

    HOW MATERIALITY

    SHAPES ART HISTORY

    8.4. MODERNISM FROM

    THE PERIPHERIES

    6.5. BEYOND BACKWATER

    ARCADIAS GLOBALISED

    LOCALITY AND CONTEMPORARY

    ART PRACTICE

    20.5. INSTITUTIONAL

    PRACTICES, CANONS ANDSITES OF ART HISTORY

    CAN ARTHISTORYBE MADE

    GLOBAL

    MonicaJuneja

    Spring term 2014

    Tuesday, 16.1518.00

    University of Zurich, main b

    Rmistrasse 71, hall KOL-F

    www.khist.uzh.ch/hwl

    Kindly supported by the

    Max Kohler Stiftung

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    ein bestimmtes Problem lsen knnte. Wenn mandann beobatet, dass die Betroenen nit dasmaen, was unserer Auassung na ritigwre, versut man, ihr Verhalten mit Anreizenzu beeinussen. Wohlgemerkt: Dieses Vorgehenist nit per se negativ, hlt Berndt fest: Proble-matis ist nur, wenn das zu einem unberlegtenBehavioral Engineering fhrt und man alles ab-wertet, das nit der Marktlogik entsprit.

    Berndt untersut mit seiner Gruppe im De-tail, na welen Gesetzmssigkeiten solekonomisierungsprozesse ablaufen. WeleKonzepte, wele mathematisen Formeln undwele Lsungsmuster werden angewendet,wenn Marktgrenzen versoben werden? Wasgesieht mit den betroenen Mensen? Aber

    au: Wie materialisiert si dieser Prozess?Denn Computerprogramme, tenise Gerteoder Infrastrukturen beeinussen das Verhaltender Mensen und prgen so den konomisie-rungsprozess. Wie entseidend die Materialisie-rung ist, zeigt si in der Finanzwelt. Die nanz-mathematisen Modelle wurden ursprnglidazu entwielt, Risiken zu minimieren. Doinzwisen sind sie selbst ein Risikofaktor, weilsi die Banker bei ihren Entseiden na dieseModellen riten.

    Alltag voller Gewalt

    Berndt ndet in der globalisierten Welt zuhaufAnsauungsunterrit, wie die Grenzen derWirtsa versoben werden. Wenn im NordenArgentiniens auf dem bisher gemeinsaligenutzten Weideland pltzli im grossen StilSoja angebaut wird, wenn Keinbauern in Ghanaansta Hirse pltzli Mangos fr den Weltmarktanbauen, dann werden mit den Mensen ganzeRegionen umgeformt mit vielsitigen so-zialen Auswirklungen.

    Einen sole Umformung kann zum Beispieldazu fhren, dass au in einem wirtsalignstigen Umfeld der Alltag der Mensen von

    Gewalt und prekren Lebensbedingungeprgt ist, wie Berndt im Norden Mexikos zkonnte. Die grossen Zulieferrmen, die dorBeispiel fr US-amerikanise Computerttig sind, haben moderne Produktionswgesaen und halten ihre Besigten zulittsarbeit an. Sobald die relativ gering entten Arbeiterinnen das Fabrikgelnde jedolassen, sind sie auf si allein gestellt und kfen in einer unwirtlien Umgebung wortli um ihr berleben.

    Migrantinnen machen Altenpflege

    Au vor der eigenen Haustr gibt es Beisdie si Berndts Gruppe genauer ansaudokumentiert Karin Switer mit einem Twie in den letzten Jahren in der Sweiz ein Markt fr die Altenpege entstand, auf demzialisierte Pegeagenturen ihre Dienstleistuanbieten. Frher wurde von weiblien lienangehrigen erwartet, die Altenpege zahlt zu bernehmen, erklrt der Forser.wird diese Aufgabe zunehmend von extKren gegen Bezahlung bernommen. Evorwiegend Migrantinnen, die unter teilprekren Bedingungen arbeiten. Au in dFall werden die bestehenden Verhltnisse uformt mit entspreenden sozialen Folge

    Sole Vorgnge zu beleuten, erfordeDetailarbeit, denn nur so kann man die Zumenhnge au wirkli verstehen. Der Nteil unserer Arbeitsweise ist, dass si aueinzelnen Beispielen nur sriweise etwagemeines ableiten lsst, rumt Berndt ein. wir sind nun so weit, dass wir die Einzelfeinen grsseren Rahmen stellen knnen.sammen mit Marc Boeler von der Goetheversitt Frankfurt ist er daran, in einer thtis orientierten Arbeit die grundlegendeanismen herauszuslen. Was wir alsnomis sinnvoll betraten, hngt immer dab, von welen Annahmen und Rahmenbgungen wir ausgehen, bemerkt er. GenauAnnahmen und Rahmenbedingungen wwir transparent maen denn nur so kannsie au kritis hinterfragen.

    Kontakt:Prof. Christian Berndt,[email protected]

    Berndt. Vielleit haen diese ja einen triigenGrund, etwa weil sie vom Lehrerlohn alleinnit berleben konnten. Ansta die Lehrer aufdiese drastise Weise zu disziplinieren, heman das Problem vielleit au anders lsenknnen.

    Genau diese reduzierte Sitweise fhrt bei-spielsweise in der Entwilungshilfe immerwieder zu Fehlslgen. Ein Beispiel dazu hateine Masterstudentin in Jamaika dokumentiert.Dort versut man, Kleinbauern mit Hilfe vonindexbasierten Mikroversierungen besser vorwierungsbedingten Sden zu stzen.Normale Versierungen eignen si fr Klein-bauern nit, weil es fr die Versierungs-gesellsaen zu aufwndig ist, bei jedem einzel-nen Bauern den Saden zu erheben, erlutertBerndt. Bei einer indexbasierten Mikroversie-rung hingegen wird beim Erreien einesSwellenwerts (beispielsweise die Untersrei-tung einer gewissen Niederslagsmenge) pau-sal ein Betrag ausbezahlt, unabhngig vomtatslien Saden.

    Wissen, was das Beste ist

    Fr uns ist dieser Ansatz einleutend. Do wieberzeugt man die Leute vor Ort, die vielleitno nie eine Versierung abgeslossen haben?Bei der Umsetzung des Vorhabens ergaben sidenn au einige Probleme, die das Projekt erheb-li verzgerten. hnli wie bei anderen solenProjekten gab es einerseits Unstimmigkeiten berden Grad der Marktorientierung, andererseitssetzte man si zu wenig damit auseinander, wiedie betroenen Haushalte mit Umweltrisiken bis-her umgegangen sind. O haben diese bereitsvorher gemeinsalie Lsungen entwielt,um si zu stzen. Aber sole traditionellenLsungen werden aus einer marktorientiertenPerspektive nit selten von vornherein als inef-zient und nit zielfhrend beiseitegesoben.

    Genau dieses Vorgehen ndet Berndt proble-matis: Mir bereitet die Grundhaltung Mhe,wir im Norden wssten, was fr die Mensenim Sden das Beste ist. Denn dadur wird dasklassise Marktdenken unreektiert auf immermehr Bereie bertragen selbst wenn man siauf einen verhaltenskonomisen Ansatzsttzt. Bei Entwilungsprojekten etwa gibt esin der Regel gewisse Vorberlegungen, wie man

    Wenn Kleinbauern in Ghana anstaHirse pltzli Mangos fr den

    Weltmarkt anbauen, dann werden mit denMensen ganze Regionen umgeformt.

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    FORSCHUNG

    auf Meanismen in der Zelle angewiesen, diesie befallen. Sie sind deshalb wahre Meisterdarin, in Zellen einzudringen, ihr Erbgut dort zuplatzieren und die Zelle dazu zu bringen, dasVirus zu reproduzieren. Diese Ezienz faszi-

    Viren sind in der Regel unerwnste Zeitgenos-sen und fr zahlreie Krankheiten verantwort-li wie etwa Grippe, Herpes, Aids oder Kinder-lhmung. Im Gegensatz zu Bakterien knnen siViren nit selber vermehren, sondern sind dafr

    niert den Virologen Cornel Fraefel, dernit nur als Krankheitserreger untersuFhigkeit der Viren, ihr Genom in die Ztragen und dort replizieren zu lassen, kanfr Gentherapien nutzen, erklrt Fraefelwerden im Virusgenom die krank maGene mit Gensequenzen ersetzt, die wnste therapeutise Wirkung auDas Virus ist nur no der Trger, mit dGenom in der Zelle platziert wird.

    Nutzen lsst si diese Therapieform asiedene Weise, etwa fr Impfungen odTherapie von Autoimmunkrankheiten

    Das Immunsystem berlistenDer Virologe Cornel Fraefel nutzt die Eigensaen von Viren in der Gentherapie.

    Ihm ist es damit gelungen, bei Musen eine der multiplen Sklerose vergleibareKrankheit vollstndig zu heilen. Von Theo von Dniken

    Der Virologe Cornel Frae fel manipuliert Stammzellen so, dass sie sich zu Zellen entwickeln, mit denen Autoimmunerkrankungen geheilt werden knnen.

    Bild: Ursula MeisserWebsite: www.vetvir.uzh.ch

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    li, so Fraefel: In den Musen konnte die rimentelle autoimmune Enzephalomyelitis der MS vergleibare Krankheit zu huProzent gestoppt werden, und zwar ohne Nwirkungen.

    Die weitere Frage war nun, ob au einreits bestehende Autoimmunreaktion udreht und tolerant gemat werden kFraefel konnte naweisen, dass au bereithandene T-Zellen, die gegen Myeline aktivneutralisiert werden. Das bedeutet, dass einstehende MS nit nur eingedmmt, sontheoretis au geheilt werden kann. Wgenau passiert, wissen wir no nit, eFraefel und will diesen Meanismus deweiter erforsen.

    Immunsystem auf Therapie vorbereiten

    Fraefels Methode ist theoretis nit nur besondern au bei anderen Autoimmunerkragen und in weiteren Fllen anwendbar. Vorazung ist, dass man das Antigen kennt, fr daToleranz erzeugt werden muss. MS habefr unsere Forsung gewhlt, weil im Gegezu anderen Autoimmunkrankheiten bereitdarber bekannt ist, erklrt Cornel Fraefel

    Vorstellbar wre aber au, damit das Imsystem auf eine Gentherapie vorzubereiten,wenn bei Patienten mit Hmophilie B (Bkrankheit) die Produktion von Faktor IX efr die Blutgerinnung witigen Faktor tis wieder aktiviert wird. Da das Immutem den Faktor IX nit kennt, wrde esImmunantwort dagegen riten. Mit der Mde der Virologen knnte im Immunsystementspreende Toleranz herbeigefhrt wer

    Na den erfolgreien Versuen mit Mist es Fraefels Ziel, das vielverspreende Vren au beim Mensen klinis zu testen.die Herstellung einer Virusprparation fTherapie im Mensen ist teuer, und Fraederzeit no auf der Sue na den dafwendigen Mieln. Dies ist nit ganz eindenn fr MS stehen bereits andere TherapieVerfgung. Fraefel kann si deshalb vorstdass das Verfahren vorerst eher zur Tolerazeugung im Vorfeld von Gentherapien Vedung nden wird.

    Kontakt: Prof. Cornel Fraefel, [email protected]

    heiten, bei denen das Immunsystem krpereigeneProteine und Zellen angrei sta sdlie Erre-ger. Im Falle der Autoimmunkrankheit multipleSklerose (MS) gelangen zum Beispiel die Myelin-Proteine des Nervensystems ins Visier der Ab-wehrzellen. Myeline umsliessen wie eine Isola-tionssit die slauartigen Fortstze derNervenzellen, in denen Signale elektris ber-tragen werden. Die Myelin-Sit ermglitdabei, dass diese Signalbertragung snell ab-lu. Ist sie besdigt, wird die bertragungverlangsamt, und es kommt zu Symptomen wieSehswe, Krmpfen oder Lhmungen.

    Mit dem Virus in den Zellkern

    Dendritise Zellen knnten dabei helfen, diefatale Fehlfunktion des Immunsystems bei Au-toimmunkrankheiten zu unterbreen. Die Auf-gabe der dendritisen Zellen ist es, mglieErreger beziehungsweise Antigene zu erkennenund den dafr spezialisierten T-Zellen zu prsen-tieren. Wenn neben den Antigenen weitere Ge-fahrensignale einer Erkrankung, etwa Zytokineoder Virus-Proteine, vorhanden sind, dann dif-ferenziert si die dendritise Zelle. Das heisst,sie ndert ihre Form und setzt versiedenezellulre Prozesse in Gang. Damit regt sie dieT-Zelle zu einer Abwehr an, und es entwieltsi eine Immunitt gegen den Erreger. Die den-dritisen Zellen knnen den T-Zellen au kr-pereigene Antigene prsentieren. Do weil dieentspreenden Gefahrensignale fehlen, die-renzieren sie si in diesem Fall nit und bleibentolerant. Die T-Zelle wird nit zu einer Ab-wehr angeregt, sondern neutralisiert.

    Diese Toleranz gegenber krpereigenemMyelin-Protein ist bei MS-Patienten durbro-en. Zwar gibt es MS-Therapien, do diesehaben die unerwnste Nebenwirkung, dass siedas Immunsystem allgemein swen, alsoau gegenber Erregern, gegen die es weiterhinaktiv sein sollte. Ziel der Arbeitsgruppe vonFraefel ist deshalb eine Gentherapie, die das Im-munsystem mit Hilfe der dendritisen Zellenfr krpereigene Myelin-Proteine tolerant mat,ohne die Aktivitt gegenber fremden Antigenenzu beeintrtigen.

    Um eine sole Myelin-Protein-Gensequenzin die dendritise Zelle einzubringen, knnenViren genutzt werden. Allerdings besteht dabei

    ein Problem: Wenn man das Virus direkt in diedendritisen Zellen einbringt, entstehen in derFolge die Gefahrensignale einer viralen Infektion,und die dendritisen Zellen dierenzieren siin Ritung Abwehr, erklrt Fraefel. Man er-reit also nit die gewnste Toleranz, son-dern im Gegenteil eine Immunisierung.

    Fraefel ging deshalb einen anderen Weg undbrate die Gensequenz nit in die dendritisenZellen ein, sondern in ihre Muerzellen, die h-matopoietisen Stammzellen. Diese erzeugen imKnoenmark laufend versiedene fr das Im-munsystem notwendige Zellen, unter anderemdie dendritisen Zellen und die T-Zellen. AlsTrger fr die Myelin-Protein-Gensequenz ver-wendete Fraefel ein genetis verndertes Lenti-

    virus, das keinerlei krankmaende Faktorenenthielt. Zustzli versah er die Sequenz miteiner Kontrolleinheit, die sierstellt, dass sie nurin den dendritisen Zellen aktiv wird.

    Lentiviren knnen im Gegensatz zu anderenViren in den Zellkern eindringen und die vern-derte Gensequenz direkt in das Chromosom derZelle einbringen. So wird die Genvernderungder hmatopoietisen Stammzellen au an alleaus ihr entstehenden Zellen vererbt. Auf dieseWeise werden stetig neue dendritise Zellen mitder gewnsten Eigensa erzeugt. Zum Zeit-punkt, an dem si die Myelin-produzierendedendritise Zelle aus der Stammzelle entwielt,ist keine Spur mehr vom Trger-Virus vorhanden.Gefahrensignale bleiben aus, und es sollte sieine Toleranz gegenber Myelin einstellen.

    Selektive Toleranz

    Die Gensequenz, die Fraefel in die hmatopoie-tisen Stammzellen von Musen einbaute, er-zeugte tatsli die Toleranzwirkung wie ge-wnst nur fr die angepeilten Myelin-Proteine.Ein Kontrollversu mit anderen Krankheitser-regern zeigte, dass diese na wie vor vom Im-munsystem neutralisiert wurden. Damit ist einesehr zielgeritete und wirksame Therapie mg-

    Multiple Sklerose soll bekmpwerden knnen, ohne das

    Immunsystem zu swen.

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    INTELLIGENZWAS UNS SCHLAU MACHTWir mgen Aen sein, und do sind wir ganz anders als unsere Verwandten ausdem Tierrei: Wir sind viel intelligenter. Das verdanken wir unserem grossen Hirndas es uns erlaubt, voneinander zu lernen. Dank dieser Fhigkeit ist es uns Mense

    gelungen, Kultur und Tenik zu saen und kreativ und exibel Probleme zu lseIn diesem Dossier gehen wir der Frage na, was unsere Intelligenz ausmat, wie sentstanden ist, und wir zeigen, was uns no slauer mat. Oder eben nit.

    Der Illustrator Patric Sandri hat seine kreative Intelligenz darauf verwendet, fr

    dieses He eine verspielte Bildstree zu saen.

    Htsceln und AustrisenDie menslie Intelligenz ist zufllig entstanden. Do sie lsst si erklren. Seite 27

    Ameisen kennen keine MathematikTiere knnen denken, und Roboter wren intelligenter, wenn sie unsere Haut hen. Seite 30

    Doping fr den KopfWir versuen mit versiedenen Substanzen unser Gehirn in Fahrt zu bringen. Seite 35

    Lenins Hirn war ruiniertGene legen unsere Intelligenz fest. Was daraus wird, bestimmt die Umwelt. Seite 38

    Helleres OberstbcenHirntrainings verbessern unsere Intelligenz zumindest ein bissen. Seite 41

    Lernen frdert die IntelligenzIntelligenz ist witig fr den Sulerfolg, entseidend sind andere Faktoren. Seite 44

    Von den Grossen lernenKleine Kinder maen si slau, indem sie andere Mensen naahmen. Seite 48

    Intelligenz. Was uns schlau macht ist das Thema des nchsten TALK IM TURM, der vom magazinder UZH veranstaltet wird. Er findet am Montag, 17. Mrz, im Restaurant UniTurm statt. Die Anthropologin

    Judith Burkart und der Philosoph Hans-Johann Glock diskutieren, was unsere Intelligenz ausmacht.Weitere Informationen und Anmeldung: www.talkimturm.uzh.ch

    DOSSIER

    Illustrationen: Patric Sandri

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    erhob, ist no heute Gegenstand von Spetionen. Moten si die sweren Primatenmehr dur die Urwaldbume hangeln? Odder aufret getragene Krper der sengeSonne weniger Angrise? Egal, dendem Geheimnis der menslien Intelligendies alles nit viel zu tun. Die Menswerim kognitiven Sinn kam spter, sagt Isler.

    braute es mehr als aufretes Gehen.Es braute vor allem ein grsseres Hirn

    halb gerade das menslie Hirn wus, ren si Forser mit sozialen und physiAnforderungen, denen der Mens zu genhae. Das Leben in sozialen Gruppen verladass der Einzelne sowohl die Vorteile, didie Gruppe bot, fr seine Zwee nutzte, alsfr das Weiterleben der Gruppe besorgt wKlartext: Htseln und Austrisen zugMan sprit hier denn au von der Maia

    sen Intelligenzhypothese.Anderseits musste der

    Mens, wollte er si nit saisoHungerperioden aussetzen, diesise Umwelt nutzen. Er mussttrumente ernden, um Nsse zuen, Insekten zu fangen oder Biste zu plndern. Er musste legezielt Frte und Beeren zu ermusste die Landkarte im Kopf h

    und si merken, wann weler Baum, wStrau reif wurde. Dafr bentigte er einespreend grossen Speier.

    Muse haben kein Chance

    Do warum entwielte ausgereneMens sole Fhigkeiten weiter? Warum wnit au anderen Tieren ein voluminDenkapparat, der diese Entwilung zugelhe? Weil man ein grosses Hirn nit umbekommt, lat Judith Burkart. Die Reist einfa: Ein grosses Hirn braut lngerWasen als ein kleines. Oder andersherutratet: Lebewesen mit grossem Hirn benmehr Zeit zum Erwasenwerden als solkleinem. Kleine Tiere sind da klar im Na

    erwiesen. Do nit alle Lebewesen knnen siein grosses Hirn leisten. Vgel, die aus einemengen Ei slpfen, brauen mglist kompak-te Organe. Reptilien mit weselwarmem Kr-perhaushalt mssen ihr Hirn mangels Energiezeitweise deaktivieren, und das klappt nur,wenn es klein ist, sagt Isler. Ein grosses Hirnlsst si nit absalten, sonst geht es kapu.

    Historis betratet, sagt Burkart, spiele derZufall wohl die grsste Rolle. Intelligenz war einevon mehreren berlebensstrategien, die si inder Entwilungsgesite als erfolgrei er-wiesen. Und hat si eine sole Strategie erst maletabliert, gibt es kein Zur mehr; die Ritung

    lsst si nit ndern. So sn es fr uns Men-sen wre, iegen zu knnen wir werden esnit saen, selbst wenn wir uns Vogelfedernimplantieren. Das ist Evolution, sagt Burkart.Man muss auf jenem Kurs weitersteuern, dendie Natur einem vorgibt. Und weler Kurs sievolutionsgesitli dursetzt, hat zwarimmer au mit Habitaten und Lebensumstn-den zu tun, die vorgegebene Grundritung ent-springt aber letztli dem Zufall.

    Frher wurde der aufrete Gang als Meilen-stein der Menswerdung, als Merkmal derberlegenheit ber die Restkreatur gewertet.Die Zweibeinigkeit kam aber lange vor demgrossen Hirn, sagt Karin Isler. Weshalb si derUrmens irgendwann auf seine Hinterfsse

    Was unterseidet d Mnse vom Simpans?S is nid di glai Huut, dr fhlend Swanz,sang der Berner Troubadour Mani Maer einst inseinem Lied Hemmige. Und nderte, nademihn jemand darauf aufmerksam gemat hae,dass Simpansen keine Swnze haben, denText in s is nid di glai Huut, d Intellignz.In der Tat beginnt die Sue na dem Ursprungunserer Klugheit nit bei Untersieden, son-dern bei Gemeinsamkeiten.

    Genau wie der Simpanse sei au derMens ein Primat und damit generell songrosshirniger und slauer als andere Lebewe-sen, sagt Karin Isler, Privatdozentin am Anthro-pologisen Institut der UniversittZri. Sind die Zeiten slet unddas Fuer rar, wandern Primatennit Tausende von Kilometern, son-dern setzen ihr Hirn ein, beginnenna Wurzeln zu graben oder breenharte Frte auf. Das ist gewisser-massen der Unterbau der mensli-en Intelligenz.

    Wo liegt er denn, der Untersied?Nit nur in den kognitiven Fhigkeiten an si,sagt Karin Islers Kollegin Judith Burkart, SeniorLecturer am gleien Institut, sondern in der Artund Weise, diese Fhigkeiten einzusetzen. Auein Simpanse regt si auf, wenn er ungeretbehandelt wird, und wir sein St Bananeweg, wenn ein anderer zwei bekommen hat. WirMensen knnen aber mehr: Wir regen uns auauf, wenn Drie ungeret behandelt werden.Das tut der Simpanse nit.

    Grosshirnige sind schlauer

    Woher Intelligenz kommt, ist kausal nit zu er-klren. Fest steht nur, dass Intelligenz mit Hirn-masse korreliert. Je grsser das Organ, destoklger dessen Besitzer soviel ist physiologis

    Htsceln und AustrisenDass der Mens intelligenter geriet als andere Lebewesen, ist ein Zufall derEvolutionsgesite. Wir konnten unser grosses Gehirn nur entwieln, weilwir die Jungen gemeinsam grossziehen. Von Miael T. Ganz

    DOSSIER Intelligenz was uns schlau macht

    8 WAS UNS SCHLAU MACHTIm Gegensatz zum Mensen kennen Mensenaenkein aktives Lehren und Lernen. Eine Simpansen-

    muer kommt nit auf die Idee, ihrem Kind zu zeigen,wie es eine Frut nen soll.

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    vanne war au fr andere Bewohner swierig,gerade fr Mensenaen. Und die entdetenCooperative Breeding trotzdem nit. Viele ihrerArten sind deshalb heute ausgestorben.

    Nur gemeinsam wird man klug

    Das gilt brigens au fr den Mensen. Homoerectus, Homo oresiensis, Neandertaler sieund viele andere Urmensen gibt es nit mehr.Man stzt, dass neunzig Prozent aller einstexistierenden Mensenarten ausgestorben sind.Es ist wohl ein grosser Glsfall, dass bei un-serer Mensenart die Entdeung des Coopera-tive Breeding erfolgte, als wir son relativ leis-tungsfhige Hirne haen, sagt Judith Burkart.Eine Koinzidenz, die dazu fhrte, dass Mensennit nur Fuer und Informationen teilten, son-dern au mentale Zustnde, insbesondere Ab-siten. Im Prinzip der Shared Intentionalitysehen Entwilungspsylogen denn au dieUrsae dafr, dass aus menslien Kinderhir-nen nit Simpansen-, sondern eben Men-senhirne werden.

    Shared Intentionality bezeinet die Fhig-keit, mentale Zustnde nit nur zu erkennen,sondern sie au mit Drien teilen zu wollen, umein gemeinsames Ziel zu erreien. Simpan-sen und andere Mensenaen maen alles fr

    si selbst, sagt Burkart. Mensen indes teilenund vernetzen ihre kognitive Leistung, um dar-aus in kumulativer Weise das aufzubauen, wasman gemeinhin Kultur nennt.

    Au bei Primaten lassen si mitunter zwarkulturelle Elemente erkennen. Judith Burkart:Die Simpansenhorde auf der einen Seite desFlusses net harte Frte mit Stelein, jene aufder anderen Seite kann es nit zwei Kulturen,wenn man so will. Entseidend ist aber, dassPrimaten kulturelle Errungensaen soler Artnit weiterentwieln knnen. Sie kennen keinaktives Lehren und Lernen, keine Shared Inten-tionality. Eine Simpansenmuer kommt nitauf die Idee, ihrem Kind zu zeigen, wie es eineFrut nen soll. Es darf zusauen, das ist

    Die Chance, dass sie in den sieben bis at Jahren,die ein grosses Hirn zum Wasen braut, ge-fressen werden, ist nahezu hundert Prozent.Eine Maus kann no so slau sein, sagt KarinIsler, ein grsseres Hirn bringt ihr keinen ber-lebensvorteil. Also entwielt sie au keines.

    Aufgrund fossiler Funde und phylogeneti-ser Vergleie tieriser Eigensaen ist dieAnthropologie daran, dierenzierte Thesen zurHirngrsse aufzustellen. Die Trade-o-Hypothe-se etwa besagt, dass si ein Tier nur dann eingrosses Hirn leisten kann, wenn es andernortsEnergie spart, zum Beispiel dur wenig Bewe-gung. No bedeutender ist das Prinzip des Co-operative Breeding, der gemeinsalien Jun-genaufzut. Es kostet Mer enorm viel Zeitund Energie, grosshirnige Kinder aufzuziehen,weil deren Entwilung so lange dauert, sagtIsler. Ein Orang-Utan-Weiben bestreitet dieAufzut allein und kann deshalb nur alle neunJahre ein einziges Junges gebren mit ein Grund,weshalb Orang-Utans kaum Nakommen habenund zu den gefhrdeten Arten gehren.

    Im Gegensatz zum Orang-Utan hat der MensCooperative Breeding entdet. Ist das Baby ge-boren, geht der Vater auf Nahrungssue, undneben der Muer kmmern si au Grossmut-ter, Geswister und andere Gruppenmitglieder

    um das Kind. Dies erlaubt frhes Abstillen undden Ersatz der Muermil dur andere ho-energetise Nahrung. Wir knnen ein zweitesKind haben, wenn das erste no an der Brusthngt, sagt Judith Burkart.

    Und weshalb haben Orang-Utans und andereMensenaen keine gemeinsalie Auf-zut erlernt? Weil es oenbar gut ging ohne,sagt Burkart, und Isler ergnzt: Ein weiterer Zu-fall der Evolution! Man wisse zwar, dass auVgel unter swierigen Bedingungen Coopera-tive Breeding entwielten; seither, so Burkart,werde vermutet, der Mens habe die Vorteile dergemeinsamen Aufzut als berlebensstrategiegenutzt, als er si in der troenen Savanne nie-derliess. Aber, sagt Isler, das Leben in der Sa-

    alles, sagt Burkart. Dies obwohl so habete Forsungen bewiesen Simpansenoenbar die kognitive Fhigkeit besitzen, zken, wenn eines ihrer Jungen Probleme h

    Was underseidet d Mnse vom pans? Letztli ist es wohl genau diese kule Evolution, die si hinter dem Begrmenslien Intelligenz verbirgt. Wie dturelle Evolution begann, weiss no nigenau. Was gesah vor zwei Millionen als die Gaung Mens loslegte? Man asson Grosstiere, mutmasst Karin Islerda ein Einzelner nit ein ganzes GnuLwen und Hynen verteidigen konnteeine gewisse Bereitsa zur Zusammeda gewesen sein. Vielleit war es diesesa, die uns am Ende klug werden lies

    Grsse allein gengt nicht

    Gemeinhin wird die menslie Spraeweis berragender Intelligenz betratetIsler selt den Kopf. Die Sprae grnShared Intentionality und sei ein gutes diese in die Tat umzusetzen. Die Erfortieriser Kommunikation jedo zeige, dau Mensenaen bis zu einem gewisseausdren knnten. Der Untersied init qualitativer, sondern quantitativer ASprae kein alleiniges Kriterium fr dwilung von Intelligenz. Gut mgli, dNeandertaler hnli ausgerei sprawir, es klang wohl einfa etwas andersIsler und smunzelt.

    Nun sind wir Mensen also intelligenfen wir uns zurlehnen? Nein. Denn dturelle Evolution, die uns so weit brate,physise Evolution son lngst berhoheisst: Ein Mensenhirn wird nit alldur, dass es gross ist, klug. Zwei gleiDenkorgane knnen untersiedli gerateine slau, das andere dumm, je nadedie kulturellen Bedingungen sind, unterdie entspreenden Hirntrger aufwaseinem kulturell reien Umfeld gelingt dserweise besser, da knnen wir mehr aben, sagt Judith Burkart. Sind keine Vorbimuss si der Mens die Intelligenz gemassen selbst zusammensuen.

    Kontakt:PD Dr. Karin Isler, [email protected]; Dr. JBurkart, [email protected]

    Es kostet Mer enorm viel Zeit und Energie, grosshirnigeKinder aufzuziehen.Karin Isler, Anthropologin

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    Zur Person

    Hans-Johann Glo (53)ist Professor fsophie an der Universitt Zri. Seinematisen Forsungsswerpunkte sPhilosophie des Geistes insbesondFrage, inwiefern Tiere denken knnendie Spraphilosophie speziell die TBegrie und spralie Bedeutung.ris befasst er si mit der Gesite dlytisen Philosophie und mit WigenKontakt: Prof. Hans-Johann Glock, [email protected]

    Rolf Pfeifer (66)ist Professor fr Informder Universitt Zri. Er forst im Natrlie und Knstlie Intelligenbesondere embodied intelligence, Rolle des Krpers beim intelligenten Veuntersut. Zum Thema sind von Rolffolgende Ber ersienen: Understintelligence (mit Christian Seier; MIT1999); How the body shapes the way w new view of intelligence (mit Josh BoMIT Press 2007); La rvolution de linteldu corps (mit Alexandre Pii, Maeditions, Paris 2012).Kontakt: Prof. Rolf Pfeifer, [email protected]

    Ameisen kennen keine Mathematik

    mglit die Form von Kommunikation, die un-serer kooperativen Lebensweise zugrunde liegt.I wrde also instrumentelle, soziale undspralie Intelligenz unterseiden.

    Sie, Herr Pfeifer gehen davon aus,dass es fr intelligentes Verhalten au einenintelligenten Krper braut. Was matdenn unseren Krper intelligent?

    Pfeifer:Evolutionsgesitli betratet ist esklar, dass das Gehirn oder was wir heute Intelli-genz oder Denken nennen als Teil eines gesamtenOrganismus entstanden ist. Dieser Organismusmusste mit der Umwelt interagieren. Er musstein dieser Umwelt berleben und si reproduzie-ren. Der Krper ist unser Medium, um mit derAussenwelt in Kontakt treten zu knnen. Des-halb nde i es ganz zentral, dass wir verstehen,wie etwas wie Denken oder Intelligenz entstehenkonnte in der Evolution. Zwisen der Informa-tionsverarbeitung des Gehirns und dem Krper

    besteht ein sehr enger Zusammenhang. I glau-

    be, dass die Entstehung der menslien Spra-e sehr viel mit Morphologie und Sensorik zutun hat.

    Wo sehen Sie da den Zusammenhang?Pfeifer:Es gibt Spekulationen darber, wele

    Rolle der Daumen fr die Weiterentwilung desMensen gespielt hat. Dur den Daumen sindsensomotorise Ttigkeiten mgli geworden,die zu spezisen Mustern von Sensorstimula-tion fhren, die so komplex sind, dass man soetwas wie Sprae braut, um sie zu besrei-

    Herr Pfeifer, Sie erforsen mit Hilfe von Roboterndie knstlie Intelligenz. Wie entsteht Intelligenz?

    Rolf Pfeifer:Die meisten Leute, Wissensalerund Nit-Wissensaler, gehen davon aus, dassIntelligenz eine Sae des Gehirns, also zentralis-tis im Kopf lokalisiert ist. Meines Eratens istdies ein grundstzlier Fehler. Intelligenz istimmer eine Eigensa eines ganzen Organismus;davon ist der Krper, die gesamte Sensomotorik,ein zentraler Bestandteil. Irgendwie sitzt dieserGlaube ans Gehirn, ein kartesises Erbe, tief inuns drin und ist fast nit auszuroen die Inter-aktion mit der Umwelt ber unseren Krper ist,geht es um intelligentes Verhalten, aber mindes-tens so witig wie das Gehirn.

    Was mat uns Mensen denn intelligent,Herr Glo?

    Hans-Johann Glock:Man kann drei zentrale As-pekte unterseiden. Erstens die instrumentelleIntelligenz: die Einsit in Kausalverhltnisseund die Fhigkeit, diese zum eigenen Nutzen zu

    manipulieren. Die grossartigste Manifestationdieser Fhigkeit ist die Tenologie. Zweitens gibtes die soziale Intelligenz: die Fhigkeit, mit Art-genossen mglist berlegt und vorteilha zuinteragieren. Damit verbunden ist die kulturelleIntelligenz: Wir Mensen zeinen uns durkooperatives Verhalten und dur soziales Ler-nen aus. Driens und fr mi ganz witig ist,dass sowohl die instrumentelle als au die so-ziokulturelle Intelligenz auf Sprae beruhen. Sieliefert uns die Kategorien, dur die wir kau-sale Verhltnisse erfassen knnen. Und sie er-

    Au Tiere knnen denken. Und Roboter wren intelligenter, wenn sie eineHaut hen, die unserer hnli ist. Mit dem Robotiker Rolf Pfeifer und demPhilosophen Hans-Johann Glo spraen Roger Nil und Thomas Gull.

    ben. So hat man au die Fhigkeit, die Uauf ranierte Art und Weise zu manipuum beispielsweise Werkzeuge und anderfakte, und letztli Tenologie, herzuste

    Heisst das, wenn wir keine Hnde hen, hau keine Sprae?

    Pfeifer:Davon bin i hundertprozentizeugt. I kann es zwar nit beweisen, de

    bin i berzeugt davon.

    Wie sehen Sie das, Herr Glo?Glock:Das det si mit meinem Vers

    der Menswerdung. Frher date madie evolutionsbiologise AbzweigungMensen darin besteht, dass das Gehirngrsser wird. Wie wenn man in einen Co

    Bilder: Robert Huber

    Die alte philosophise Perspektive, wona Geist und Intelligenz abseits einesKrpers standen, ist vllig abwegig. Hans-Johann Glock

    DOSSIER Intelligenz was uns schlau macht

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    Denken ber Intelligenz bei Robotern, Tieren und Menschen nach: der Knstliche-Intelligenz-Forscher Rolf Pfeifer (links) und der Philosoph Hans-Johann Glock.

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    immer mehr Speierkapazitt einbauen wrde.Wir wissen, dass dies nit der Fall ist. Die erstenHominiden haen kein grsseres Gehirn als dieheutigen Mensenaen, aber sie sind von einemLeben auf den Bumen bergegangen zum auf-reten Gang. Dadur wurden die Hnde frei,und dadur ergab si erst die Mglikeit,dur Werkzeuggebrau eine instrumentelleIntelligenz zu entwieln. Es konnte au mehrsoziale Intelligenz umgesetzt werden dur ko-operatives Jagen. Die alte philosophise Pers-pektive, wona Geist und Intelligenz etwas sind,das abseits eines Krpers standet, ist siervllig abwegig. Denn Intelligenz entsteht nur,wenn ein Krper si in seiner Umwelt verhlt.Man sprit in diesem Zusammenhang au vomembodied mind.

    Delne gelten au als intelligent, haben aber einenganz anderen Krper als wir Mensen. Wie

    interpretieren Sie diesen Untersied?Pfeifer:Ob man ein bestimmtes Verhalten in-

    telligent nennen will oder nit, ist letztli vlligwillkrli. Das hngt vom Gutdn-ken ab. Sind Ameisen, um ein besse-res Beispiel zu nehmen, intelligent?I kann Argumente aufzhlen, wes-halb sie als intelligent betratet wer-den knnen. Sie verfgen ber einegewisse Lernfhigkeit, komplexe So-zialstrukturen, Fhigkeiten zu Kom-munikation und Kooperartion. Undsie knnen sehr komplexe Konstruk-te in der realen Welt bauen. Ameisen knnenau optimieren, indem sie etwa den krzestenWeg zu einer Fuerquelle nden. Das sind allesPunkte, die auf Intelligenz sliessen lassen.Ameisen haben aber keine Sprae, und sie ken-nen keine Mathematik. Ihr Gebrau von Werk-zeugen ist usserst minimal. Das sind alles Punk-te, die darauf sliessen lassen, dass Ameisendo nit so intelligent sind. Deshalb wrde idafr pldieren, diese Frage zu vergessen. Wirsollten eher sagen, das ist ein Verhalten, das miinteressiert und das i verstehen will.

    Nun wollen wir aber do verstehen, was Intelligenzist. Sind jetzt Ameisen intelligent oder nit?

    Glock:I wrde das verneinen. Ihr Verhaltenist angepasst, komplex, sozial. Au kann man

    bis zu einem gewissen Grad die Fhigkeit zumLernen beobaten. Aber es gibt Bereie, indenen Ameisen berhaupt nit lernfhig sind.Ein klassises Beispiel dafr ist, dass Arbeite-rinnen tote Artgenossen entfernen, um eine Ver-giung des Baus zu verhindern. Das ist ein reinneuroemis bedingter Reex. Sie reagierennur auf eine ganz bestimmte emise Subs-tanz. Wenn man lebende Arbeiterinnen mit die-ser Substanz bestreit, werden sie von den an-deren radikal und ohne Abweiung aus demNest befrdert. Dieses Verhalten ist also ber-haupt nit exibel, und es ist au nit kom-plex. Es wird ja nur eine Information, nmli dieemise Substanz, genutzt.

    Wie sieht das bei den Delnen aus?Glock:Delne dagegen sind beraus lernfhig.

    Man kann ihnen au rudimentre Symbolsys-teme beibringen. Sie sind fhig, mit Mensenauf komplexe Weise zu interagieren. Auf Grundder Flexibilitt des Verhaltens wrde i sie des-halb als intelligent bezeinen. Aber der Weg zu

    dieser Delnintelligenz ist anders als der Wegzur Mensenintelligenz. Die Hand hat bei denDelnen keine Rolle gespielt, aber die Zusam-menarbeit bei der Jagd sehr wohl. Delne koor-dinieren si sehr przise beim Abgrasen vonFisswrmen.

    Sie, Herr Glo, untersuen, inwieweitTiere denken knnen. Zwisen Delnen und

    Ameisen gibt es, wie wir gehrt haben, grosseUntersiede. Wie sieht die Intelligenzhierarieim Tierrei aus?

    Glock:Die Entwilung entlang von evolutio-nren Linien und Stammbumen war sier gra-duell. Wenn


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